Vorwort
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- Geschrieben von: Wolff Peter
Wer kann sich eigentlich noch an die Beilagen zum Kirchenanzeiger in den Jahren 1979 bis 1983 erinnern? Die jüngeren unter uns werden erst recht nicht wissen, auf was ich hier verweise. Es waren genau 439 Folgen über die Wonneberger Heimatgeschichte (davon 262 Haus- und Hofgeschichten), welche von Leonhard Wimmer (geboren 1914 in St. Leonhard) mühsam erarbeitet und niedergeschrieben wurden.
Als Leonhard Wimmer im Jahre 1978 in den Ruhestand trat, begann er den eigentlichen „Dienst“ für die Heimatforschung. In über zehnjähriger Arbeit förderte er in den Landesarchiven in Salzburg und München, sowie in den archivierten Pfarrbüchern der benachbarten Gemeinde Waging, einen heimatgeschichtlichen Wissensschatz zutage. In seinem unermüdlichen Bestreben, die Auswertungen dieser Quellen voranzutreiben, kam ihm natürlich seine humanistische und theologische Ausbildung besonders zugute. Trotzdem blieb er immer einer von uns. Er verstand es daher besonders, diese „trockenen“ Informationen und Ereignisse aus vergangenen Zeiten, als angenehme Mischung aus interessanten Fakten und unterhaltsamen Anekdoten in die Wonneberger Wohnstuben zu bringen. Auf dieser Chronik aufbauend, legte er mit seiner Arbeit die wesentliche Grundlage des Wonneberger Heimatbuches. Im Jahre 1996 verlieh ihm die Gemeinde Wonneberg die Ehrenbürgerwürde. Leonhard Wimmer verstarb im Jahre 2004 und ruht nun im Schatten der Wallfahrtskirche zum heiligen Leonhard.
Um diesen wertvollen Schatz nicht gänzlich in Vergessenheit geraten zu lassen, ist es sicherlich nicht nur in meinem Interesse, diesen auf der Wonneberger Homepage in Auszügen abzulichten. Schlussendlich möchte ich mich an das Vorwort im Wonneberger Heimatbuch von Leonhard Wimmer anschließen: „Es wäre schön, wenn dadurch (durch die hier aufgeführte Heimatgeschichte) vor allem bei den jungen Leuten die Neugier auf unser Woher geweckt würde, damit ihnen das Wohin einsichtiger wird.“
Die Verbreitung der Leonhardi-Verehrung
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- Geschrieben von: Wimmer Leonhard
(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 2)
Was wir vom heiligen Leonhard mit geschichtlicher Gewissheit wissen, ist wenig. Vor dem Jahre 500 ist er, aus dem Geschlecht des Frankenkönigs Chlodwig stammend, in Mittelfrankreich geboren. Sein Vater hatte am Hofe eine einflussreiche Stellung inne, und so hätte auch er ein weltliches Leben führen können. Bald aber schon zog es ihn in die Einsamkeit, wohin ihm mehrere Gleichgesinnte folgten. An seinem Lebensende stand er als Abt dem Koster Noblac vor, in dessen Kirche er nach seinem Tod am 6. November 559 bestattet wurde.
St. Leonhard wird meist dargestellt als Mönch mit schwarzem Habit – früher auch in der weißen Tracht der Zisterzienser – mit Brustkreuz und Abtstab, in der Barockzeit auch zuweilen mit Mitra. Das wichtigste Attribut ist jedoch die Kette mit der Handfessel, der Gefangenenkette. Der Erzbischof von Genua Jacobus erzählt um 1270 in der Lebensgeschichte des Heiligen, König Chlodwig hätte jeden Gefangenen, um dessen Freilassung Leonhard ihn bat, begnadigt. So wurde er zum Patron der Gefangenen und im Laufe der Jahrhunderte wurden ihm unzählige Wundertaten zugeschrieben. Durch die Kreuzzüge, die in den Jahren zwischen 1096 und 1270 die heiligen Stätten den Ungläubigen entreißen sollten, und bei denen viele Kreuzfahrer in Gefangenschaft und Sklaverei gerieten, verbreitete sich die Verehrung über ganz Europa und darüber hinaus. Am Markusplatz in Venedig sehen wir eine Statue des Heiligen und im Katharinenkloster am Fuße des Berges Sinai befindet sich eine Ikone aus dem Jahre 1148, die St. Leonhard zusammen mit St. Martin als Befreier der Gefangenen darstellt. Um die gleiche Zeit erfasste die Leonhardi-Verehrung auch unsere engere und weitere Heimat. Im Jahre 1139 wird eine Kirche in Flintsbach und 1184 eine in Kreuth zu Ehren des heiligen Leonhard konsekriert. Noch älter als die diese beiden ist die Kirche zum hl. Leonhard im Lavanttal (Kärten).
Von da an breitete sich der Leonhardi-Kult unaufhaltsam aus. Die älteste Darstellung des Heiligen im deutschsprachigen Raum befindet sich in der Bibliothek des Waldviertler Stifts Zwettl (1220) und in den alten farbigen Glasfenstern des Regensburger Doms aus dem Jahre 1380 sehen wir viele Darstellungen aus dem Leben St. Leonhards.
In Bayern und Österreich, auch in England und Italien sowie in Frankreich gibt es Dörfer, die wie das unsere seinen Namen tragen, in Österreich allein 28. Unzählige Kirchen sind ihm geweiht und kaum eine Kirche in ländlichen Gemeinden, wo nicht wenigstens eine Statue einen Seitenaltar schmückt.
Zum Patron der Pferde wurde Leonhard erst spät, im 17. und 18. Jahrhundert. Wie es zu dieser „Umwandlung“ kam, wissen wir nicht. Die Kette, die im Laufe der Zeit als Viehkette gedeutet wurde, könnte der Anlass dazu gewesen sein.
St. Leonhard nur als Patron der Gefangenen und des Viehbestandes zu betrachten, wäre zu wenig. Er ist einer der Vierzehen Nothelfer, befreit die Sklaven aus der Knechtschaft, führt die Verirrten auf den richtigen Weg, hilft den Frauen in Geburtsnöten, von ihm erhoffen sie sich Kindersegen, er hilft den alten Leuten bei Kopf-, Herz- und Magenkrankheiten, er wird von den Frauen angefleht bei allzu starken Blutungen und Brustkrebs, heilt Geschlechtskrankheiten, ist als „Eisenherr“ Schützer der Schmelzöfen und der Kanonengießer, Patron der Wasserträger, der Obst- und Butterhändler, ist der Hüter der Felder und Flure. Nicht zuletzt wird er hochverehrt als Fürbitter für die Armen Seelen.
Wir können dankbar sein, unsere Gemeinde unter dem Schutz eines Heiligen zu wissen, der uns mit seinem Segen begleitet von der Geburt bis in die Ewigkeit.
Entstehung und Verbreitung des Liedes „Stille Nacht, heilige Nacht“
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- Geschrieben von: Wimmer Leonhard
(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 11)
Zu unserer engeren Heimat gehört auch Oberndorf an der Salzach. Hier entstand am Heiligen Abend 1818, also zwei Jahre, nachdem wir von Salzburg abgetrennt wurden, das unsterbliche Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Oberndorf war bis zum Jahre 1816 ein Teil der Stadt Laufen und hieß, nachdem es durch die Grenzziehung mitten durch die Stadt österreichisch geworden war, lange Zeit noch „Österreichisch Laufen“, „Kaiserl.-Königl. Laufen“, „Neulaufen“ oder „Laufen am rechten Salzachufer“.
Der Dichter des Liedes Josef Mohr wurde als zweiter unehelicher Sohn der Strickerin Anna Schoiberin am 11. Dezember 1792 in Salzburg, Steingasse 9, geboren. Sein Vater, der aus Maria Pfarr stammende Soldat Josef Mohr war seit dem 21. Juni 1792 fahnenflüchtig. Nach der damaligen Sitte der Zeit erhielt das Kind den Namen des Vaters. Die Mutter musste sich wegen dieses Fehltritts in das „Unzuchtsregister“ der Stadt eintragen. Taufpate war der Scharfrichter von Salzburg, dessen alleinstehendes Haus unterhalb der Festung Salzburg heute noch zu sehen ist. Domvikar Hiernle nahm sich des begabten Knaben an und ließ ihn zu Salzburg und Kremsmünster studieren. 1819 zu Priester geweiht, war er von 1817 bis 1819 Coadjutorin Oberndorf, wurde 1937 Pfarrvikar von Wagrain, wo er, nach seinem Tod am 4.12.1848, begraben ist.
Der Lehrer Franz Gruber, der das Lied vertonte, wurde am 25.11.1787 im oberösterreichischen Unterweitzburg geboren, genoss seinen Musikunterricht in Burghausen und war von 1897 bis 1829 Organist und Lehrer im 3 km von Oberndorf entfernten Arnsdorf, von wo aus er auch den Organistendienst in Oberndorf versah. Er starb am 7.6.1863 als Chordirektor in Hallein.
Diese beiden Männer, die sich von 1817 bis 1819 kennen und schätzen lernten, wären längst vergessen, hätte nicht das Christfest 1818 sie bewogen, vom Geschehen der Heiligen Nacht in einem schlichten Lied zu singen. Am Vormittag des 24. Dezember verfasste Mohr den Text, am späten Abend noch schrieb Gruber die Melodie für zwei Solostimmen und Chor mit Gitarrebegleitung. Gruber wollte sein Lied nicht von der völlig verstimmten und schadhaften Orgel begleitet wissen. Auf Betreiben Grubers baute 1825 der Zillertaler Orgelmeister Mauracher für die Nikolauskirche in Oberndorf eine neue Orgel und brachte das Lied in seine Tiroler Heimat. Tiroler Sängergruppen verbreiteten das Lied auf ihren Reisen nach Norddeutschland. Die beiden Schöpfer hatte man längst vergessen. 1854 wandte sich die Königliche Hofkapelle in Berlin an den Abt von St. Peter in Salzburg, um über das ihrer Meinung nach von Michael Haydn stammende Lied Auskunft zu erhalten. Von dieser Anfrage erfuhr Gruber in Hallein und legte eine „Authentische Veranlassung zur Komposition vor“, worin er die Entstehung des Liedes genau schilderte. Damals war das Lied bereits in Europa und darüber hinaus verbreitet, in Norwegen wurde es als „evangelisches Volkslied“ gesungen. Der Erzabt von St. Peter Petrus Klotz fand das Lied auf seinen ausgedehnten Weltreisen in Afrika, in Neuseeland, Nord- und Südamerika und in Britisch Indien. Es gibt heute wohl kein Land der Welt, ob es christlich ist oder nicht, wo dieses Lied, nicht gesungen würde. Es ist in nahezu 50 Sprachen übersetzt, darunter auch in Litauisch, Lettisch, Griechisch, Lappländisch und Hebräisch.
Der Benediktinerabt Corbinian Hofmeister vom Kloster Metten schreibt über das Lied: „Mohr ströme seine Weihnachtsfreude in Herz und Gemüt ergreifende Worte, Gruber jubelte sie in eine Melodie, die geradezu zum Singen zwang. Das war der beiden gemeinsam erlebte Sternstunde. Zwei Seelen, religiös und künstlerisch veranlagt, verschmolzen zu einem neuen Geist und der schuf ein Meisterwerk aus einem Guss, dass manche Forscher die Vermutung äußerten, dieses Meisterwerk könne nur einer vollendet haben. Das Urteil über alle Kritiker hat die gesamte Menschenfamilie gesprochen, die gleichsam in einer spontanen Urabstimmung ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘ zu ihrem Weihnachtskleinod erklärte.“
Neu gefärbte Oster-Ayr
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- Geschrieben von: Wimmer Leonhard
(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 26)
Während der Barockzeit, in der die prachtvollen Kirchen, Altäre und Kanzeln des 17. Und 18. Jahrhunderts entstanden, waren auch die Predigten voller anschaulicher Sinnbilder und wundersamer Geschichten. In der Osterzeit vor allem war es damals üblich, während der Predigten, die meist sehr lange dauerten, kurzweilige Fabeln und Märchen zu erzählen. Einer dieser Priester, dessen Predigten für die Osterzeit in einem Büchlein „Neu gefärbte Oster-Ayr“ gedruckt wurden, war der 1641 in Tittmoning geborene Andreas Strobl, der von 1666 bis 1673 Kooperator in Waging war. Nachdem bei uns in St. Leonhard am Ostermontag der Kooperator von Waging feierliches Amt mit Predigt zu halten hatte, hat Strobl bestimmt auch bei uns solche Predigten gehalten, von denen wir uns eine auszugsweise anhören wollen.
„O, spricht mancher bei sich, bin ich halt so froh, dass die traurige Fasten vorbei ist, dass sich das klägliche Miserere geendt und das freudenreiche Alleluja hat hören lassen. Bin ich froh, dass ich meine österliche Beicht verrichtet und dem Teufel die Herberg aufgesagt habe; ich hab wohl einen rassen Beichtvater überkommen, er hat mir tapfer die Laugen gegossen, er hat mich so punktual wie einen Malefiz ausgefraget. Ist gut, dass es geschehen ist, es muß wohl ein hundertäugiger Argus sein, der mich nicht so bald wiederum im Beichtstuhl sehen wird, ist lang hin, bis ein neue Ostern kommt! Hui lustig und fröhlich! Jetzt darf ich mich wiederum rühren und das Rädl laufen lassen, jetzt darf ich einen kecken Suff wagen, auf das Gäßlein ausspazieren (die Herrengasse in Salzburg ist ein „Gäßchen“) und meine alte Holdschaft heimsuchen. Nicht anders, als wie jener Bauernknecht sprache, als ihn sein Herr Pfarrer in der österlichen Beicht befragte, ob er die Fasten hindurch niemals bei nächtlicher Weil auf das Gäßl gegangen sei. Na, bin nicht, Herr Pfarringer, gabe er zur Antwort, aber jetzund, wills Gott, nach Ostern wird’s wiederum angehen. Ach, was ist das, ruft der heilige Barnardus aus, ach was ist das! Nach Ostern wird es wiederum angehen, nach Ostern will ich wiederum auf den alten Dahauser hinein sündigen! O große Schandt, o Herzeleid! Eine neue Zeit zum Sündigen und ein Ziel des Wiederfalles ist worden die Auferstehung des Heilands. Denn nun fangen wiederum an die Freßmahl und Saufzech und alle Leichtfertigkeiten werden verpübt, gleichsam, als wäre Christus deswegen und nicht wegen unserer Rechtfertigung auferstanden!“
Um den Sinn des Wortes „Du bist ein Sünder und bleibst ein Sünder“ klar zu machen, erzählt der Prediger noch eine „lächerliche Histori“. Der an Podagra erkrankte Pfarrer beauftragt seinen Mesner, am Aschermittwoch die Einäscherung vorzunehmen. Der Mesner vergisst aber die Worte, die er dabei auf Deutsch zu sagen hat und fragt den Pfarrer zum zweiten Mal. Da sagt ihm der Pfarrer: du bist halt ein Narr und bleibst einer.
„Wohl, wohl, antwortete der Mesner, jetzt hab ich schon alles gefasset, laufet mithin der Kirchen zu, nimmt seinen Chorrock und den Teller mit der schon geweihten Aschen, geht herum und streut den da knieenden Bauren und Bäurinnen den Aschen mit diesen Worten auf den Kopf: ‚Du bist ein Narr und bleibst ein Narr‘, ‚Du bist eine Närrin und bleibst eine Närrin‘. Die Bauren reissen über diese Wort die Augen angelweit auf, wissen nicht, was das bedeutete, dass ihnen der Mesner samt der aufgestreuten Aschen die Narrenkappe wolle aufsetzen. Ist also aus dieser unformlichen Einäscherung ein lächerlicher Fastnachtspossen geworden. Schaue o Sünder und Sünderin, ob man den gleichen Ausspruch nicht von dir tun könne: du bist und bleibst der alte Wucherer und Geizhals, Fresser und Säufer, Fleischpengel und Ehebrecher, der du zuvor gewesen bist. Pfui der Schandt! Wo man das alte Luder, die alte Bosheit und Sünd von dir ausrufen muss. Kehre nach deiner österlichen Bekehrung nicht wieder zurück! Kommet nach Ostern die Welt, das Fleisch und der Teufel mit neuen Versuchungen und listigen Nachstellungen, so springe zur Seiten und laufe davon!“
Die Frühgeschichte von Wonneberg
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- Geschrieben von: Wimmer Leonhard
(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 64)
Werfen wir einen Blick zurück, als man das Jahr 1000 schrieb, um welche Zeit der Name Wonneberg zum ersten Mal in Urkunden auftauchte. Der Name Wonneberg bedeutet „Waginger Berg“; dies geht aus den Urkunden und aus den verschiedenen Schreibweisen eindeutig hervor. Im Laufe der Jahrhunderte schrieb man den Namen Mons Uagingariorum (= Waginger Berg), Waegingerperc, Wanigarberc, Wegingarperge, Waniaberg, Wanenberg u.a.
Unter dem Salzburger Erzbischof Hartwich, der von 991 – 1023 regierte, erscheint unser Wonneberg zum ersten Mal in einer Urkunde. Ein gewisser Gotabrecht vertauscht sein Gut in Tettinperch (Tettenberg) gegen ein gleich großes „in monte Uagingariorum“ (auf dem Wonneberg). Unter den Zeugen wird auch ein Gezo genannt, von dem wahrscheinlich die Ortsbezeichnung Gessenberg kommt. Gotabrecht ist somit der erste Wonneberger, den wir dem Namen nach kennen. Zwischen 1116 und 1125 übergibt ein gewisser Wolfram von Offenwang (bei Weildorf) sein Gut „ad Waringariperga“ (Wonneberg) der Abtei St. Peter in Salzburg. Als Zeugen dieser Schenkung waren anwesend: Megingoz de Suriperga (Surberg) und Sigibote von Tusinperch (Teisenberg). Zwischen 1122 und 1147 übergibt ein dem Namen nach nicht bekannter Wonneberger im Fall seines Todes und dem seiner Söhne „zur Erlösung der Seelen“ sein Gut in Wegengerberge (Wonneberg) dem Domkapitel in Salzburg.
Die Salzburger Urkunden nennen noch folgende Wonneberger: Gotfried (vor 1193), Rawin (zwischen1151 und 1167), Rudolf (vor 1140) und sehr oft den Ministerialen Wilhelm. Die Ministerialen waren Lehensträger des Erzbischofs und einflussreiche Regierungsbeamte, die noch bis zum Jahr 1200 das Recht hatten, den Erzbischof mitzuwählen. Wilhelm ist der erste Wonneberger, von dem wir mehr wissen, als seinen Namen und der von 1151 bis 1182 öfter genannt wird. Gestorben ist er vor 1193. Auf seinem Totenbett lässt er von seinem Pfarrer Dietric, Dekan von Waging, den von ihm bewohnten Hof in Wagenaerberge (Wonneberg), dann zwei ihm gehörige Wirtschaftshöfe in Egerda (Egerdach) und einen in Mosen (Obermoosen) mit der Bedingung der Salzburger Kirche übergeben, dass sie der Burggraf Meingot lebenslang innehaben soll. Am Sterbebett Wilhelms waren als Zeugen anwesend: Rahewinus und sein Bruder Fridericus von Plattenberg, Ulricus von Aschah (Aschau), Altmannus von Haldingen (Halling), Hartwicus und seine beiden Söhne Meinus und Eckericus von Rudolfsdorf (Rusdorf) und Perchtoldus von Mosen. Die Nachkommen Wilhelms hatten sich noch längere Zeit mit diesem Testament zu beschäftigen. Wilhelms Gemahlin Diemuth war vorher bereits zweimal verheiratet gewesen und heiratete nach dem Ableben Wilhelms zum vierten Male und zwar den Burggrafen von Haldenperc (Halmberg); es ist dies der erste Halmberger, der urkundlich nachweisbar ist. Dieser nun stritt sich mit dem Salzburger Erzbischof und dem Domkapitel (1177 – 1183) und schlossen schließlich einen Vergleich. Dieser Vergleich wurde am 26. April 1217 von Papst Honorius III bestätigt. Es ist dies das einzige Mal, dass der Name Wonneberg (Wagenarberge) in einer päpstlichen Urkunde erwähnt wird. Wilhelm, der offensichtlich sehr viele Güter besaß, übergibt um 1180 dem Salzburger Erzbischof ein Gut in Thunstetten (westlich von Lauter) und dem Stift St. Peter eine „Parwip“ – eine freie Frau – und deren ganze Nachkommenschaft: Luitfried, Gertrud, Tuta, Hildegard zu jährlich 5 Pfenning. Weiterhin übergab Wilhelm zwei Güter in der Nähe von Thunstetten der Abtei St. Peter für den Fall seines Todes und den seiner Mutter.
Diese Angaben sammelte P. Bernhard in Salzburger Urkundenbuch Band I, Seite 163, 192, 209, 224, 369, 394, 430, 431, 468, 620, 1181 und Band III Seite 220 und 310.
Beim damaligen Einbau der Heizung in der Kirche wurde ein vor der Kommunionbank befindliches Einzelgrab zerstört. P. Bernhard ist der sicheren Überzeugung gewesen, dass es die Gebeine des Wilhelm von Wonneberg enthielt. Unsere erste Kirche muss also um das Jahr um 1150, also vor mehr als 800 Jahren erbaut worden sein.
Leonhardkirchen, von Ketten umgürtet
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- Geschrieben von: Wimmer Leonhard
(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 57)
Jeder von uns kennt wenigstens eine Leonhardskirche, die an der Außenmauer von einer Eisenkette umgeben ist. Dem heiligen Leonhard, dem „Eisenherrn“, wurden im Gebiet seiner Verehrung eiserne Votivgaben dargebracht. Aigen am Inn (Landkreis Passau) und Ganacker (Landkreis Dingolfing-Landau) sind die bedeutendsten Eisenopferorte Bayerns. Die Traunwalchener opferten in früherer Zeit, wie die dortige Pfarrchronik berichtet, alljährlich eine Pflugschar zu uns nach St. Leonhard. Die Bedeutung der Kette ist klar: es sind die gelösten Gefangenenketten. Die Volkskundler können sich jedoch den uralten Brauch, Kirchen mit Ketten zu umgeben, nicht erklären. Unter anderen sind es die Leonhardkirchen in Ganacker, Hilperting (Landkreis Rosenheim), Dillingen, Lengries (hier ist die Kette an der Innenwand angebracht), Neukirchen (Landkreis Rottal-Inn), St. Leonhard ob Tamsweg im Lungau, das Leonhardikirchlein in Bad Tölz und St. Leonhard hoch über Brixen (Südtirol).
Die älteste urkundlich Erwähnung einer solchen Kettenkirche haben wir von der Kirche St. Leonhard im Lungau, wo es in einem Visitationsprotokoll 1613 heißt (übersetzt): „umgeben von eisernen Ketten und Draht aus reinem Eisen.“ An diese Ketten ranken sich Sagen, Legenden und Prophezeiungen. So soll die Kette um die Leonhardkirche in Bad Tölz auf ein Gelübde zurückgehen, das ein Bauer nach Rettung aus Todesnot abgelegt hat. Von der Kette in St. Leonhard oberhalb Brixn heißt es: wenn sie die Kirche in siebenmal umspannt, – jedes siebte Jahr wird ein neues Glied angefügt – wird die Welt untergehen.
In Aigen am Inn befindet sich ein Gemälde aus der Barockzeit, das die Hingabe an den heiligen Leonhard in rührender Weise darstellt: Der Geistliche und der adelige Grundherr knien auf freiem Feld vor der gesamten Kirchengemeinde. Sie alle sind mit einer offenbar schweren Eisenkette an den Heiligen eingeschlossen, wobei der Heilige durch eine Wolke das Ende der Kette in seinen Händen hält.
Für uns Altbayern sind unsere Heiligen keine in weite Ferne entrückte himmlische Gestalten; wir stehen mit ihnen auf vertrautem Fuß. Freilich gründet sich die Verehrung auf das bäuerliche Nützlichkeitsdenken: sie sollen vor allem helfen. Der bayerische Erzähler Korbian Lechner sagt von ihnen: „Andere mögen schönere Heilige haben, aber bessere gar nie und vor den unsrigen beugen wir das Knie.“ Manche Gedichte über unsere Heiligen mögen für Nicht-Bayern frivol klingen, sind es aber nicht, wie z.B. die „Pinzgauer Wallfahrt“, und so auch das folgende Gedicht von Korbian Lechner:
Schau, des is a Leonhard!
Wer mit Roß und Ochsn fahrt,
Ko net drauf verzichtn,
Muaß si zuaririchtn.
Ohne Hartl konnst nix macha,
Ohne Hartl, do tats kracha.
Drin und draußt, in Haus und Stoi,
Hint und vorn und überoi.
Überoi und jederzeit
Ko’s passiern, daß cana schreit:
O heiliga Hartl im Himmi do drobn,
O heilioga Hartl, wia müaß ma di lobn!
Wia müaß ma di lobn und wia müaß ma di preisn,
Und werst do grod mi net vo deiner Tür weisn!
Wo aus und wo ei, des woaß i schia nimmer:
D’Säu ham an Rotlauf, um d’Roß stehts no schlimmer,
Koa Kuah gibt a Milli und d’Henna san Luader,
Sie legn koane Oar net und fressn grad `s Fuatter.
O himmlischa Helfer, so laß dir’s nur sagn,
O heiliger Hartl, ja laß dir’s nur klagn.
Oder warst denn du scho so,
Aber g’feit waars na do scho,
Wenns wirkli so waar;
Daß d’mi hoamschickest laar!
Und na hot er gholfa und kriagt a sein Dank:
s Verlöbnis wird ghaltn, und a Kirz de brinnt lang,
Bouid ma s’oamoi ozündt und hierauf nimmermehr.
Es muaß eahm scho recht sei: Er hat ja sei Ehr!
Warum das Jesuskind nicht in einem Wirtshaus zur Welt kommen wollte
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- Geschrieben von: Wimmer Leonhard
(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 63)
Andreas Strobl, in Tittmoning geboren, war von 1666 bis 1673 Kooperator in Waging. Seine originellen Predigten sind uns erhalten geblieben. Zu Weihnachten schildert er die Herbergsuche.
„Sie klopften bei allen Wirtshäusern an, es hieß aber: Vor der Tür ist draußen. Niemand nahm sie auf. Hören wir, warum Christus in keinem Wirtshaus habe einkehren wollen: Josef und Maria klopften an beim Weißen Rößl, wurden aber nit eingelassen. Es ward da schon alles besetzt mit gailen Venusbuben. Josef gehet weiter, läutet an in einem anderen Wirtshaus, beim Wilden Mann, hatte aber allda auch kein Unterkommen. Christus verlangte auch nit dazubleiben, denn alles war voll von wilden, zornig und giftigen Leuten so nur fluchten, sacramentierten und gottslästerten. Sie kommen zum Hohen Glas, hatten aber allda auch kein bleibende Statt, denn das ganze Wirtshaus war besetzt mit vollen Zapfen. Sie verfügten sich hin zur Grünen Linden, da konnten sie gar nicht unterkommen, dann das Wirtshaus ohne das voller Leutwar, es ginge das Singen und Springen, das Juchitzen und Schreien dermaßen untereinander, daß einer sein eigenes Wort nit hören konnt. Gingen derowegen weiter und kamen zum Guldenen Mondschein. Christus hatte auch da kein Gefallen, kein Unterkommen, weilen alle Tisch mit Karten, Würfeln und Brettspielen angefüllt, die besten Freund im Spielen sich entzweit, in die Haare geraten, andere in die tiefe Nacht hinein gespielet, und, nachdeme sie all ihr Hab und Gut verspieltet, letztlich gar ihre Seel in die Schanz gesetzt.
Also sehet, gehet es zu in den Wirts- und Bräuhäusern. Da lernet man nichts als volltrinken, ganze Gläser voll Wein und Bier auf einmal ausstürzen, spielen, tanzen, banquetieren, buhlen, sacramentieren und fluchen, die Faulheit und Müßiggang, daß man nit allein zur Arbeit nachlässig, sondern auch zu allem Guten verdrießig wird, mittlerweil in die Armut geratet, alle Zucht und Ehrbarkeit an den Nagl hänget, lieber ins Wirtshaus als ins Gottshaus geht. Es wird erzählt von einem Wirt, welcher für seinen Schild ein großmächtige Weinkandl, so schier einen ganzen Eimer fassete, für das Fenster heraushangend gehabt mit dieser Beischrift: Illa est Remora, dies ist die Aufenthaltung. Also werden da in seinem Wirtshausmittels des guten Tranks aufbehalten, daß sie nit weitergehen und bis in die tiefe Nacht hinein zechen. Welches die Experienz und Erfahrenheit genugsam bezeuget. Gehet hin, fragt manchen Handwerker, warumben er die Arbeit nit ausgemacht und zu versprochenem Termin verfertiget, so werdet ihr zur Antwort bekommen, dieweilen er gemeiniglich am Sonntag ins Wirtshaus gehet und den anderen Tag darauf einen blauen Montag macht, sowie Arbeit an den Nagl hänget. Das ist die Ursach. Fraget diesen oder jenen Saufbruder, warumben er am Sonntag und Feiertag nit zum Gottesdienst kommen, Meß und Predigt versaumbt, so wird das Facit herauskommen: weilen er im Wirtshaus beim Branntwein, Meth oder Bier sitzen geblieben. Das ist die Hindernus. Fragt jenen Jüngling, warum er auf dem Weg der Tugenden und guten Vorsatz so gar nit vorankomme, niemalen frömmer und nur alleweil gottloser werde, so werdet ihr auf den Grund kommen, daß dies die Ursach, weilen er immerzu im Wirtshaus stecket, luedert und alldort durch böse Gesellschaft verführet werde. Aus welchem zu sehen, daß oftermal die Wirtshäuser rechte Lockhäuser des leidigen Satans sind, in welchen er, mittels des Volltrinkens, Spielen, Tanzens, etc. viel tausend Seelen fanget und ins ewige Verderben bringt. Derowegen ein jeder gottliebender Christ lieber zu Haus ein Trunk tun und sich mit einem guten Freund fröhlich machen sollt, als in öffentlichen Tafernen, wo alles über und über geht, auch allerlei Gesindel sich einfindet.“
Dieser vorstehende Auszug aus einer Predigt des 17. Jahrhunderts ist etwa nur der achte Teil der ganzen Predigt. Damals waren diese Predigten zwar endlos lang, aber auch kurzweilig und unterhaltsam und dem damaligen Mangel an sonstiger Unterhaltung entsprechend, mit Erzählungen, Legenden und Märchen ausgeschmückt.
Der Teufel von Angerpoint
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- Geschrieben von: Wimmer Leonhard
(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 65)
In den langen Winterabenden vor allem um Dreikönig wurden früher viele Geistergeschichten erzählt und bei nicht wenigen spielte auch der Leibhaftige die Hauptrolle. Es ist uns eine Geschichte überliefert, die sich in der Nähe der Angerpointmühle zugetragen hat.
Es hat immer schon Leute gegeben, die ohne Gewissensbisse sich dem Bösen verschrieben haben und die gerne mit dem Teufel ins Geschäft kommen und Kapital daraus schlagen wollten, und die dem Saufen mehr zugeneigt waren als der Entsagung. So war es auch bei den Teufelsbeschwörern, die sich in der Nähe der Angerpointmühle trafen, die ein Jahrhundert später vom Waginger Posthalter Murr aufgekauft und abgerissen wurde. Sie war einschichtig gelegen und lag mitten in moorigen Seewiesen. An jenem Heiligen Abend, als dies geschah, waren die Nebel so dicht, dass man die Hand nicht vor den Augen sehen konnte. Es muss zwischen 1810 und 1815 gewesen sein, denn der Waginger Pfarrer Hierl, der in die Geschichte verwickelt ist, ist im Jahre 1815 gestorben.
Da gab es in Waging den Gastwirt Besteiger (heute Seerose), den Taglöhner Wild und den Schmied in der Untergasse. Alle drei waren Saufbrüder und hatten zwei „denke Hände“, die zum Arbeiten halt gar nichts taugten. Das Geld war zu wenig, weil es nur kleinweis hereinkam und literweis durch die Gurgel rann. So hatten sie sich zusammengetan, um den Teufel zu beschwören und von ihm Geld zu erbitten.
Es war die Mettennacht. An der Wegkreuzung zwischen Fisching und der Angerpoint hatten sie sich verabredet und auch getroffen, als es gerade in Waging zur Wandlung geläutet hatte. Es war dies der Ort, wo man die Toten aus den beiden Ortschaften vor ihrem letzten Gang zum Gottesacker kurz abstellte, um der Verstorbenen zu gedenken, die hier vorübergetragen worden waren. Bei diesen uralten Weggabelungen hat es schon immer gegeistert. Hier standen nun die Drei – ein Pfeifen und ein Zischen - und der Leibhaftige stand vor ihnen. Mit einem Grinsen, so wird überliefert, schüttete er einen Sack voll Geld vor ihnen aus, dass es nur so klirrte und klimperte. Die Drei versprachen ihm ihre Seele so leichtfertig, wie es bei derlei Leuten schon immer gewesen ist. Aber, die drei Spitzbuben hatten den Teufel wohl herbeigebracht, aber er blieb auf der Stelle stehen und rührte sich nicht vom Fleck. Da kamen die ersten Kirchgänger von der Christmette. Man bat und flehte, doch den Pfarrer von Waging zu holen. Der kam auch und hatte sogar seinen Koadjutor mitgebracht. Mit ihrer ganzen geistlichen Macht beschworen sie den Teufel. Aber der Teufel warf dem Pfarrer vor, dass er das Brevier dort bete, wo auch der Kaiser zu Fuß hingehe und auch dem Koadjutor hatte er einiges vorzuwerfen. Der Pfarrer rechtfertigte sich mit einem Wort Luthers: „Was vorne rausgeht, ist für Gott, was hinten, für den Teufel“. Der Böse lachte hellauf, ihn konnte das nicht rühren.
Da kam endlich der Kooperator von Taching des Weges – damals war Taching eine Filialkirche Wagings. Er war gerade dabei, dem Pfarrhof in Waging aus die Filialkirche zu besuchen, um dort das Weihnachtsfrühamt zu lesen. Wenn auch der Kooperator – er soll Matthias Walter geheißen haben – als Sonderling bekannt war, stand er doch beim Volke wegen seines untadeligen Lebenswandels im hohen Ansehen. Diesen gottesfürchtigen Mann war der Teufel nicht mehr gewachsen. Fauchend und schnaubend verschwand er unter Gestank von Schwefel und Mist und hatte in seiner Wut ganz vergessen, das Geld mitzunehmen. Die drei Gauner wollten das Geld auch nicht mehr haben und so einigte man sich, das Geld einem guten Zweck zuzuführen. Der Überlieferung nach wurde mit diesen harten Talern das Eisengitter in der Pfarrkirche zu Waging angeschafft, das bis zum Jahre 1896 das Kirchenschiff von dem Platz unter der Empore getrennt hat. Der Schmied in der Untergasse hatte aber seitdem den Spitznamen „Teufelsschmied“.


