Dienstag, 30 Juli 2019 09:43

Unkraut kann auch nützlich sein

Biobraugerste mit vielen blauen Kornblumen dazwischen.|Klein am unteren Bildrand: der seltene lilafarbene Frauenspiegel, auch Venussiegel genannt.|Beider FelderbegehungerklärteNaturschutzberaterinKatharinaSchertler, welche Ackerwildkräuter auf den Feldern zu finden sind, hier am Beispiel der echten Kamille (links) und der Acker-Hundskamille.Optisch kann man die beiden Arten kaumvoneinander unterscheiden.|Die Organisatoren der Felderbegehung (von links): Bio-Landwirt Andreas Remmelberger jun., Marlene Berger-Stöckl von der Öko-Modellregion Waginger See, Naturschutzberaterin Katharina Schertler, Projektleiterin der Öko-Modellregion Inn-Salzach Amira Zaghdoudi und Bio-Landwirt Andreas Remmelberger sen.|||| Biobraugerste mit vielen blauen Kornblumen dazwischen.|Klein am unteren Bildrand: der seltene lilafarbene Frauenspiegel, auch Venussiegel genannt.|Beider FelderbegehungerklärteNaturschutzberaterinKatharinaSchertler, welche Ackerwildkräuter auf den Feldern zu finden sind, hier am Beispiel der echten Kamille (links) und der Acker-Hundskamille.Optisch kann man die beiden Arten kaumvoneinander unterscheiden.|Die Organisatoren der Felderbegehung (von links): Bio-Landwirt Andreas Remmelberger jun., Marlene Berger-Stöckl von der Öko-Modellregion Waginger See, Naturschutzberaterin Katharina Schertler, Projektleiterin der Öko-Modellregion Inn-Salzach Amira Zaghdoudi und Bio-Landwirt Andreas Remmelberger sen.|||| Foto: Remmelberger|Foto: Remmelberger|Foto: Michael Süß|Foto: Michael Süß||||

Felderbegehung zum Thema „Ackerwildkräuter“ – Nutzen der Pflanzen erklärt

 Burgkirchen. Zu einem etwas anderen Felderrundgang hatte Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel kürzlich auf den Biohof der Familie Remmelberger nach Reit bei Burgkirchen eingeladen. Das Thema: „Bunte Vielfalt auf dem Acker“. An diesem Abend sollte sich alles um die „Ackerwildkräuter“ drehen.

 

Obwohl auf dem Hof Remmelberger viel Platz ist, wurde es schwierig mit der Parkplatzsuche: Etwa 60 Besucher waren gekommen, um sich den Vortrag der Naturschutzberaterin Katharina Schertler von der Biobauern-Naturschutzgesellschaft anzuhören, viele von ihnen selbst Landwirte. Man kannte sich. Andreas Remmelberger sen. begrüßte die Gäste persönlich mit Handschlag.

 

Marlene Berger-Stöckl bedankte sich bei der Referentin sowie bei den Gastgebern. Weil sich Andreas Remmelberger schon länger an der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel beteiligt, in deren Einzugsbereich er einige Felder hat, und jetzt auch zu den Initiatoren der Ökomodellregion Inn-Salzach gehört, hatte sie seinen Hof als Veranstaltungsort gewählt. Andreas Remmelberger Jun. stellte kurz den Hof vor, der im 12. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, seit über 500 Jahren im Besitz der Familie Remmelberger ist und den diese seit etwa 35 Jahren biologisch bewirtschaftet. Wenn von Ackerwildkräutern die Rede sei, denke man meistens an Unkräuter, sagte Naturschutz-Beraterin Katharina Schertler. „Wir stellen immer wieder fest, dass die anderen Arten relativ unbekannt sind –auch bei Bio-Landwirten“. Dabei zählten zu den in Deutschlang heimischen Ackerwildkräutern etwa 300 Arten. Etwa 100 davon seien vom Aussterben bedroht.

 

Dafür gebe es mehrere Gründe: Zum einen spielten Veränderungen in der Felderbewirtschaftung und der Wechsel der Kulturpflanzen eine Rolle, denn Ackerwildkräuter hätten sich in der Evolution so angepasst, dass sie nur auf Äckern überleben könnten. Aber auch der übermäßige Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln sei ein Problem für die Pflanzen. Dabei seien nur 6% der Ackerwildkräuter überhaupt groß genug, um als Unkraut den Ertrag verschlechtern zu können.

 

„Viele Biolandwirte haben bei der Umstellung Angst vor Unkraut. Aber die Ackerwildkräuter können sogar hilfreich sein“, sagte Katharina Schertler. So würden die Kräuter beispielsweise viel über die Beschaffenheit des Bodens aussagen: Die Acker-Hundskamille würde zum Beispiel bevorzugt auf sauren, sandigen Böden wachsen, die echte Kamille und der Acker-Frauenmantel dagegen auf lehmigen Böden. Der Venus-Frauenspiegel zeige kalkhaltige Böden an.

 

Schäden, die man dem Ökosystem auf den Feldern zufüge, hätten außerdem oft weitreichende Folgen. Schwebfliegen etwa bräuchten die Kamille. Die Larven der Schwebfliege seien die wichtigsten Blattlausräuber. Wenn man also Unkrautvernichtungsmittel gegen die Kamille spritze, müsse man bald auch Insektizide gegen die Blattläuse spritzen. Ein Teufelskreis. Zudem seien die Ackerwildkräuter eine wichtige Nahrungsquelle für Bestäuber, wie z.B. Bienen. Und ohne diese würde auch das Getreide nicht mehr wachsen.

 

Doch was kann der einzelne Landwirt tun, um die Ackerwildkräuter zu fördern? „Einfach mal einen Streifen stehen lassen, am Feldrand oder dort, wo es nicht ganz gerade ist, wo man ohnehin schlecht hinkommt“. Dann könnten die Pflanzen blühen. Auch eine geringere Aussaatdichte sei sinnvoll, sowie der Verzicht auf das Spritzen oder Striegeln. Aber die ökologische Bewirtschaftung an sich sei schon ein Fortschritt: „Auf Böden, die seit mehreren Jahrzehnten ökologisch bewirtschaftet werden, kommen fast immer die Ackerwildkräuter zurück“, sagt Schertler. Bei allen langjährigen Biolandwirten in der Region habe man jeweils über 30 verschiedene Arten auf den Feldern gefunden.

 

Im Anschluss bewirtete Andreas Remmelberger seine Gäste mit Burgern, deren Zutaten, vom Rindfleisch bis zur Gurkenschreibe, ausschließlich von Biobetrieben aus der Region stammten. Dazu gab es Biobier, das aus seiner eigenen Braugerste gebraut worden war.

 

Von Michael Süß, erschienen am 23.07. im Alt-Neuöttinger Anzeiger und am 25.07. in der Südostbayerischen Rundschau

 

Weitere Informationen

Gelesen 245 mal Letzte Änderung am Montag, 05 August 2019 09:39