Donnerstag, 20 Dezember 2018 13:01

Laufen steigt aus der Ökomodellregion aus – noch drei Jahre dabei

Solche Besuche gehören wohl in wenigen Jahren der Vergangenheit an: Hier besuchte die Ökomodellregion den landwirtschaftlichen Betrieb der JVA Laufen-Lebenau.|||| Solche Besuche gehören wohl in wenigen Jahren der Vergangenheit an: Hier besuchte die Ökomodellregion den landwirtschaftlichen Betrieb der JVA Laufen-Lebenau.|||| Hannes Höfer||||

Stadtratsmehrheit setzt auf Biosphäre – Kam Druck aus dem Landratsamt?

Laufen. Alle sprachen von einem Erfolgsmodell, und jeder Redner lobte das Erreichte. Und doch votierte am Ende eine Mehrheit im Laufener Stadtrat für einen Ausstieg aus der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel. In drei Jahren wird Schluss sein. Ab nun will man verstärkt auf die Aktivitäten der Biosphärenregion Berchtesgadener Land setzen.

 

Die nunmehr zwölf bayerischen Ökomodellregionen (ÖMR) gehen auf eine Initiative des damaligen Landwirtschaftsministers Helmut Brunner zurück. Sein Ziel: Den Biolandbau in Bayern auf 20 Prozent erhöhen. Das ist zwar bislang nicht erreicht, aber es geht voran. Zehn Gemeinden sind Mitglied der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel, drei davon gehören zum Landkreis Berchtesgadener Land: Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen.

 

Im Sommer war Sitzung kurzfristig abgesagt worden

Aufgefallen war, dass eine im Sommer anberaumte Sitzung der Ökomodellregion kurzerhand wieder abgesagt worden war. Gut informierte Kreise kolportieren schon damals, dass es hinter den Kulissen rumore und es Veränderung geben werde. „Vom Landratsamt ist Druck aufgebaut worden“, unterstellte Peter Schuster Vorgaben „von oben“. Tatsächlich hatten die drei Bürgermeister der BGL-Gemeinden in einer Vorstandssitzung am 29. Oktober erklärt, dass man nach Ablauf der staatlichen Förderung aus der ÖMR aussteigen werde. Die Rathaus-Chefs griffen damit ihren Räten vor.

 

„Eine sehr gute Arbeit“, attestierte Bürgermeister Hans Feil der ÖMR. „Wir sind sehr zufrieden“. Doch der Teufel stecke im Detail. In der Mitgliedschaft sowohl in der ÖMR als auch in der Biosphärenregion erkennt das Stadtoberhaupt eine gewisse „Verzettelung“ und einen „Abstimmungsaufwand“. Anders als bisher sehe sich die Biosphäre mit nun sieben Mitarbeitern in der Lage, auch den Bereich Ökolandbau abzudecken. Nicht zuletzt werde die Biosphäre vom Freistaat finanziert, während die Kosten für die ÖMR ab 2022 allein die Mitgliedsgemeinden zahlen. Für Laufen wären das rund 17000 Euro im Jahr.

 

„Ich war schockiert über die Nachricht vom geplanten Austritt“, gestand Georg Linner, ÖMR-Referent im Stadtrat. „Es ist eine Erfolgsgeschichte“, betonte auch der grünen-Stadtrat. In Laufen gebe es mit biozertifiziertem Schlachthof und dem Biosaft der Firma Greimel zwei „Leuchtturmprojekte“. Auch in den siebenseitigen Unterlagen zu diesem Tagesordnungspunkt reihte sich Maßnahme an Maßnahme, Projekt an Projekt, vom Biofleisch bis zum Laufener Landweizen, vom Streuobst bis zum Leindotter.

 

„Die Biosphäre hat dazu in ihren 28 Jahren kein einziges Projekt zustande gebracht“, verglich Linner. „Sie kann in den kommenden 3 Jahren beweisen, dass sie Öko kann und will“. Biosphäre und ÖMR schlössen sich keineswegs aus, meint Linner, der nicht verstehen mochte, weshalb man nun ein „erfolgreiches Modell“ verlassen wolle. Ein Modell, in dem die Gemeinden entscheiden, was geschieht, nicht der Staat. Biosphäre sei eher sphärisch und akademisch, während die ÖMR sehr konkret arbeite, erklärte Werner Eckl seine Sicht. Der Linken-Stadtrat fürchtet, aus etwas auszuscheiden, was das Neue nicht ersetzen kann, und plädierte für eine „österreichische Haltung“: „Des schaut ma se o“. Auch bei der ÖMR habe zunächst keiner gewusst, ob sich die Ziele erfüllen, hielt Feil erneut dagegen, und warnte davor, sich zwischen „alle Stühle“ zu setzen.

 

Voll des Lobes war auch Agnes Thanbichler: „Große Anerkennung für all das, was Marlene Berger-Stöckl geleistet hat.“ Gemeint war die Managerin der ÖMR. Allein der Begriff „Modell“ zeige, dass es ums Nachahmen gehe, so die ÖDP-Rätin weiter, die ebenfalls der Biosphäre attestierte, „jahrzehntelang nichts gemacht zu haben“. Doch dann die Wende ihrer Argumentation: „Aber warum nicht der Biosphäre die Chance geben?“ Vorsichtshalber fragte Thanbichler noch an, ob man für den Fall, dass die Biosphäre in den drei Jahren „nix zammbringt“, wieder bei der ÖMR „andocken“ könne.

 

Stadtrat kann jederzeit neu beschließen

 

„Der Stadtrat hat jedes Recht der Welt, neu zu beschließen“, beruhigte Feil, der sich für eine dreijährige Übergangszeit aussprach, also nicht „Knall auf Fall“ auszusteigen, um somit allen Beteiligten Planungssicherheit zu geben. „Biosphäre heißt Lebensraum“, machte Linner noch einmal deutlich, „wir sind ja schon dabei“. Man vergebe sich nichts, in beiden Strukturen zu bleiben und eventuell in zwei, drei Jahren neu zu entscheiden. Auch Peter Schuster sprach sich für einen Verbleib in der ÖMR aus, die Biosphäre sollen deren Knowhow übernehmen und zunächst etwas voranbringen.

 

Der weitestgehende Beschlussvorschlag lautete: „Die Stadt Laufen verlängert ihre Mitgliedschaft in der ÖMR bis zum 31. Dezember 2021 und scheidet danach aus.“

 

Dafür sprachen sich alle anwesenden Stadträte von CSU, FBL und ÖDP aus, insgesamt zehn. Die sechs Gegenstimmen von Grünen, Linken, SPD und ufb reichten nicht für einen Verbleib, Teisendorf hatte einen Tag vor Laufen den Ausstieg beschlossen.

 

Artikel von Hannes Höfer, Südostbayerische Rundschau vom 07.12.2018

 

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