Mittwoch, 10 Januar 2018 12:41

„Der Hof ist ein Organismus“

„Demeter kann jeder“, ermunterte Demeter-Milchviehberater Alois Fersch in Petting die umstellungsinteressierten Landwirte.|„Ich lasse mich nicht mehr treiben“, sagte Biobauer Hans Praxenthaler mit Blick auf das „immer Größer“ in der modernen Landwirtschaft.|||| „Demeter kann jeder“, ermunterte Demeter-Milchviehberater Alois Fersch in Petting die umstellungsinteressierten Landwirte.|„Ich lasse mich nicht mehr treiben“, sagte Biobauer Hans Praxenthaler mit Blick auf das „immer Größer“ in der modernen Landwirtschaft.|||| Hannes Höfer|Hannes Höfer||||

Demeter-Bauer als zukunftsfähiger Weg – Alois Fersch bei der Ökomodellregion

Chiemgau / Rupertiwinkel. Wenn ein jeder Milchbauer nur ein „bissl“ weniger Milch produzieren würde, der Preis bliebe stabil. Davon ist Demeter-Berater Alois Fersch überzeugt. Relativ stabil hingegen ist der Preis bei Biomilch. Deren erfasste Menge war 2016 in Bayern um 15 Prozent gestiegen, der Verkauf an Biomilch hatte um 11 Prozent zugelegt. Einen Weg für Biobauern und umstellungswillige Betriebsleiter bieten der Demeter Erzeugerring und die Demeter Milchbauerngemeinschaft. Fersch stellte den interessierten Bauern im Pettinger Gasthaus Riedlerwirt das „System“ Demeter vor. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte die Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See / Rupertiwinkel.

 

„Biodynamisch seit 1924“, wirbt Demeter selbst für seinen Weg. Angesichts ausgelaugter Böden habe Rudolf Steiner damals „weiter gedacht“, schilderte Fersch die Anfänge und den Weg hin zu einem Landwirtschaftsverständnis, das „den Betrieb als Ganzes“ sieht, den „Hof als Organismus“ betrachtet. Demeter ist in 35 Ländern mit 5000 Betrieben aktiv, in Deutschland sind es rund 2000, in Bayern 420. „Ein Drittel davon in Südostbayern“, hob Fersch die starke Präsenz in der Region hervor. Den Anfang gemacht hatte Ende 1973 eine Genossenschaftsmolkerei in Truchtlaching, die später von den Milchwerken Berchtesgadener Land übernommen wurde.

 

„Demeter ist kein Hexenwerk, es ist etwas ganz Normales, das kann jeder Landwirt“, versuchte der Berater Skepsis zu zerstreuen; gleichwohl gebe es einen „Strauß an Aspekten“ zu beachten. So muss ein Rind mindesten vier Quadratmeter Platz zur Verfügung haben, im Auslauf sechs. Der Weidegang erstreckt sich von Mai bis Oktober, im Winter stehen neben der Silage jedem Tier mindestens drei Kilogramm Heu pro Tag zu. Ein wichtiger Aspekt aus Demeter-Sicht ist das Horn. Das Stroh für die Einstreu muss nicht Bio sein, darf aber nicht mit Halmverkürzern oder Roundup behandelt sein.

 

„Am Anfang einer Umstellung steht ein Kontrollvertrag mit einer Kontrollstelle“, erklärte Fersch, klassischerweise geschehe das zum Jahresanfang. Dann gelte es, die Richtlinien zu befolgen. Als „pauschale Umstellungszeit“ nannte er zwei Jahre. Am Ende stehe das Zertifikat des Verbandes und der EU. Sogenannte „Hofgespräche“ dienten dem internen Austausch. Neben einer Erstkontrolle gebe es einmal jährlich eine Hauptinspektion, bei 20 Prozent der Betriebe unangekündigte Stichproben.

 

„Wer diesen Schritt macht, will wissen, wo die Milch hingeht“, so Fersch. 82 Demeter-Betriebe lieferten derzeit an die Molkerei in Piding, die laut Fersch momentan keine zusätzliche Biomilch mehr annimmt – außer Demeter. Elf Millionen Liter seien das jährlich. Die Molkerei in Andechs nehme acht Millionen Liter ab, habe aktuell jedoch einen Aufnahmestopp.

 

Demeter homogenisiert keine Milch und erhitzt sie auch nicht ultrahoch. Fersch sieht in solcher Behandlung eine mögliche Ursache für die zunehmenden Unverträglichkeiten.

 

„Ich mag am Liter Milch was verdienen“, machte Hans Praxenthaler, Sprecher der Arbeitsgruppe Biomilch, deutlich. Der Bauer aus Fridolfing hatte im Jahr 2000 umgestellt und sich dem Naturland-Verband angeschlossen. „Damals war ich ein Exot“, wie er sich selber beschrieb, aber einer mit „Biogefühl“. Heute erwirtschafte er aus seinem kleinen Betrieb mit 20 Kühen rund Dreiviertel seines Einkommens, wo anderen hundert Kühe nicht reichten. „Ich lasse mich nicht mehr treiben“, machte Praxenthaler deutlich. Viele seiner Kollegen seien zu unflexibel, meint er, als Bauer und freier Unternehmer könne man jederzeit auf Nischen setzen, auf Getreide, Ackerbau, Senf und vieles mehr.

 

Zwölf „Troad-Bauern“ in der Ökomodellregion bauen inzwischen Braugerste an, berichtete Marlene Berger-Stöckl, zum Beispiel für die „Waginger-See-Hoibe“. Eine mobile Käserei verarbeitet Milch von zehn Betrieben, auch zwei Geißenbetriebe stellen Biokäse unter dem Dach „Waginger See Kaas“ her. Eine Ölmühle habe bereits Interesse an Bioprodukten signalisiert. „Den Blick erweitern und einen Markt aufbauen“, riet die Geschäftsleiterin der ÖMR, denn das biete Chancen in alle Richtungen.

 

Marlene Berger-Stöckl fragte Alois Fersch, ob man als Demeter-Bauer anthroposophisch eingestellt sein müsse. „Die Kinder müssen nicht in die Waldorf-Schule gehen“, erwiderte der schmunzelnd, aber man sollte schon erkennen: „Es hängt ois mitnanda zamm.“ Unabhängig vom Verband, meint Praxenthaler: „Bio hat Zukunft.“

 

Von Hannes Höfer, erschienen in der SOR vom 28.12.2018

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