Mittwoch, 22 Februar 2017 16:19

Tourismus fördern mit Naturerlebnissen

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„Landschaften, bei denen es sich anzukommen lohnt“ und traditionelle Bewirtschaftung mit biologisch erzeugten Produkten: Das seien Werte, die von vielen Menschen heutzutage gesucht würden, sagte Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider bei der Auftaktversammlung zu einem Konzept „Naturtourismus“ in Weibhausen. Foto: Hans Eder|Über 100 Besucher waren zur Auftaktversammlung für ein Konzept „Naturtourismus am Waginger See“ nach Weibhausen gekommen. Hier referiert der Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner über die Ökomodellregion. Foto: Hans Eder||| „Landschaften, bei denen es sich anzukommen lohnt“ und traditionelle Bewirtschaftung mit biologisch erzeugten Produkten: Das seien Werte, die von vielen Menschen heutzutage gesucht würden, sagte Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider bei der Auftaktversammlung zu einem Konzept „Naturtourismus“ in Weibhausen. Foto: Hans Eder|Über 100 Besucher waren zur Auftaktversammlung für ein Konzept „Naturtourismus am Waginger See“ nach Weibhausen gekommen. Hier referiert der Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner über die Ökomodellregion. Foto: Hans Eder||| Hans Eder|Hans Eder|||

Landschaft und regionale Produkte als Chance - Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel lässt Konzept erstellen

Wonneberg. Das Zusammenspiel von Naturerlebnis und Kulturlandschaft spielt im touristischen Angebot am Waginger See schon immer eine wichtige Rolle. Mit der Ökomodellregion kam das Ziel dazu, mehr Bioprodukte in der Region zu erzeugen und zu vermarkten. Durch die Verbindung zu Direktvermarktern und Bioprodukten aus der Region ergeben sich touristische Chancen, die für Einheimische wie für Gäste stärker erschlossen werden soll. Um passende Angebote in Richtung einer Genussregion zu entwickeln und die Ökomodellregion für den Gast erkennbar und erlebbar zu machen, finden am heutigen Montag und morgen, Dienstag, in der Tourist-Info in Waging vier Workshops statt. Auftakt dazu war eine Veranstaltung im Gasthaus „Alpenblick“ in Weibhausen, bei dem Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider aus Polling im Landkreis Weilheim ihre Vorstellungen skizzierte und zur Mitarbeit aufrief.

 

Die Stärkung des sanften oder Naturtourismus wird aktuell noch angeschoben durch das zufällige Zusammentreffen mit einen Wettbewerb des Bayerischen Umweltministeriums: Als Pilotprojekt sollen über den Wettbewerb drei Gemeinden ausgewählt werden, die sich zu einer Naturtourismus-Region entwickeln sollen und die dafür jeweils eine Förderung von bis zu 70000 Euro erhalten. Daran will sich auch die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel beteiligen und hat sich für das Konzept der Unterstützung von Prof. Pröbstl-Haider gesichert.

 

„Wir wollen unsere schöne Landschaft in den Mittelpunkt stellen“, gab Eva Gruber den über 100 Teilnehmern der Versammlung in Weibhausen eine erste wichtige Leitlinie mit auf den Weg. Und es sollten die regionalen Erzeuger und Landwirte mit ins Boot geholt werden. Ein Ziel dabei sei es, die in der Region erzeugten Bioprodukte dem Gast noch besser zugänglich zu machen – ein originäres Ziel der Ökomodellregion. Um diese Grundzüge und noch viel mehr in ein schlüssiges Konzept zu bringen, sei Prof. Pröbstl-Haider beauftragt worden; zusammen mit regionalen Fachleuten und interessierten Bürgern soll dieses erstellt werden – und zwar bereits bis April, um noch an diesem Wettbewerb teilnehmen zu können.

 

Nach einem Bericht über die bisherige Arbeit der Ökomodellregion durch den Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner gab Prof. Pröbstl-Haider einen Einblick darüber, welche Inhalte sie im Naturtourismus sieht beziehungsweise welche Zielgruppen dabei angesprochen werden können und sollen. Das sei in besonderem Maß auch die ältere Generation, die sogenannten „Silber-Ager“, die Wert legen auf Natur und Naturerlebnisse, die möglicherweise Kindheitserlebnisse wieder aufleben lassen möchten, die Wellness und Gesundheitsvorsorge schätzen und die, „weil sie im Leben eh schon so viel gesehen haben“, dort Urlaub machen wollen, wo es keinen Stress und keine Sicherheitsprobleme gibt. Eine andere Zielgruppe hat Prof. Pröbstl-Haider in den Menschen ausgemacht, die regionale Authentizität und eine intakte Umwelt suchen, die etwas Sinnvolles im Urlaub tun wollen „als Gegensatz zur Funktionalität und Trivialität im urbanen Alltagsleben“ und die keine Lust mehr auf die globalisierten Tourismusorte haben, die untereinander völlig austauschbar sind.

 

Die Konzentration auf sanften oder Naturtourismus könne zudem ein guter Beitrag zur Regionalwirtschaft sein. Die Chance, sich damit ein weiteres Standbein zu schaffen, sei da; gleichzeitig sei aber die Konkurrenz groß. Wichtig seien, um Gäste anzuziehen, „normale Häuser und Höfe“, die Authentizität  vermitteln könnte. Solche Unterkünfte in Verbindung mit der schönen Landschaft und dem regionalen Essen und Trinken – das möglicherweise nur in der jeweiligen Region erhältlich ist: Das seien wichtige Voraussetzungen, zu denen noch die passenden Erlebnis-Situationen dazu kommen sollten. Und „der Aspekt Bio kann das i-Tüpferl sein“.

 

Eine starke Landwirtschaft und regionale Erzeugung müssten dazu im Mittelpunkt stehen, ergänzt durch unterstützende Angebote. Dabei müsse man sich aber im Klaren darüber sein, dass der Gast der Zukunft anspruchsvoller wird, dass seine Erwartungen höher werden und dass er ein spezielles Erlebnis sucht ohne Belastungen wie Klima und Sicherheit und umweltbezogen.

 

Somit ergäben sich laut Prof. Pröbstl-Haider gewisse Rahmenbedingungen. Die Kulturlandschaft – „Landschaften, bei denen es sich anzukommen lohnt“ - besitze eine wichtige Bedeutung für den Tourismus. Dazu werde traditionelle Bewirtschaftung mit biologisch erzeugten Produkten erwartet, die den Urlaub authentisch machen. Regionale Identitäten sollten erhalten bleiben und Management sollten gefunden werden, die die Qualität und Vielfalt bewahren.

 

Am Beginn der konkreten Arbeit, die am heutigen Montag in der Tourist-Info in Waging beginnt, stehe eine Bestandsaufnahme, also eine Ermittlung des Ist-Zustandes an erster Stelle. Dann werde es darum gehen, die regionalen Angebote nach ihren Stärken und Schwächen zu beurteilen und daraus ein touristisches Leitbild für die Region zu erstellen. Dann müssten Angebote und Maßnahmen ausgearbeitet und ein Umsetzungsplan mit Prioritätenliste erstellt werden. Und hinter alle dem, so verhehlte sie nicht, steckt ein bisschen Druck dahinter: „Ende März muss das fertig sein.“ Also wird an die Workshops heute und morgen durchaus ein sportlicher Anspruch gestellt.

 

Artikel von Hans Eder, Südostbayerische Rundschau/ Traunsteiner Tagblatt, beide vom 20.02.2017

 

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