Montag, 12 Dezember 2016 17:02

Laufen tritt Ökomodellregion bei

Einstimmiger Beschluss im Stadtrat – Bedenken wegen Überschneidungen – Erstellung eines Tourismuskonzepts

Laufen. Bürgermeister Hans Feil gestand, anfangs skeptisch gewesen zu sein. Bei all den bestehenden Förderkulissen mit LEADER, ILE, Biosphäre und Landschaftspflegeverband komme nochmal etwas Neues hinzu? „Aber, siehe da“, nach vielen umfangreichen Informationen sei auch sein Ergebnis „ein völlig anderes“. Laufens Stadtrat bewertete die Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel als große Chance und stimmte am Dienstagabend geschlossen für einen Beitritt.

 

Laufen ist nach Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Saaldorf-Surheim, Taching, Teisendorf, Tittmoning, Waging und Wonneberg nun die zehnte Gemeinde der Ökomodellregion (ÖMR). Ausgegangen war die Idee Ökomodellregion vom bayerischen Landwirtschaftsministerium mit dem Ziel, etwa 20 Prozent der bayerischen Bauernhöfe auf Bio-Produktion umzustellen. Die 75-prozentige Förderung war schon einmal verlängert worden, so dass sich derzeit eine Gesamtlaufzeit von fünf Jahren bis Ende 2018 ergibt; 25 Prozent der Kosten haben die beteiligten Gemeinden zu tragen. Das betrifft in erster Linie das Gehalt der Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl, die Projekte in der Region entwickelt, für die dann aus anderen Fördertöpfen Geld abgeschöpft werden kann. Die ÖMR selbst zahlt keine Fördermittel aus.

 

Trotz der guten Resonanz bei der Info-Veranstaltung im Kapuzinerhof (wir berichteten) sei das Ergebnis dort „ernüchternd“ gewesen, räumte Feil ein, denn nur zwei Landwirte hätten in der Teilnehmerliste Interesse bekundet. „Die Ökomodellregion steht und fällt mit der Landwirtschaft“, konstatierte Dr. Klaus Hellenschmidt, „aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Dem widersprach Georg Linner: „Die Landwirtschaft ist nur ein Teil. Wir müssen alle Bevölkerungsschichten beteiligen, denn nur so sei eine Ökologisierung möglich.“

 

„Auch die konventionellen Landwirte mitnehmen“, waren sich Thomas Resch und Markus Feil einig. „Keinen Keil zwischen die Bauern treiben“, warnte Feil, während Resch darauf setzt, mit Regionalität alle ins Boot zu holen. Werner Eckl sprach von einem Gesamtkonzept, das möglicherweise dem Laufener Schlachthof etwas bringen werde und auch in touristischer Hinsicht verkauft werden könne.

 

Grünen-Stadtrat Georg Linner freut sich, dass seine Fraktion mit ihrem Antrag etwas angestoßen habe, das alle voranbringe und wirkliche Chancen biete. Ein Aspekt dabei: Zusammen mit Saaldorf-Surheim die Wasserqualität des Abtsees zu verbessern. Peter Schuster sieht auch die beteiligten Kommunen in der Pflicht beispielgebend zu sein, etwa was die eigene Flächenbewirtschaftung betrifft, die Beschaffung und die Essensversorgung von Kindergärten und Schulen.

 

Genehmigen muss diesen Beitrittsbeschluss noch das Bayerische Landwirtschaftsministerium. Daran hegt man offensichtlich keinen Zweifel, denn schon der nächste Tagesordnungspunkt der Sitzung beschäftigte sich mit einer Beteiligung Laufens an der Erstellung eines Tourismuskonzeptes für die ÖMR Waginger See – Rupertiwinkel.

 

„Zunächst gab es heftige Reaktionen“, berichtete Bürgermeister Feil den Kollegen, würde doch dies den Markenfindungsprozess des Landkreises konterkarieren. Zur Erinnerung: Touristisch gibt es mit Reichenhall als „belebendste Alpenstadt“ und Berchtesgaden als „mächtigstes Bergerlebnis“ zwei Hauptmarken, mit dem Rupertiwinkel als Submarke. „Zunächst belächelt, wollen wir das über die Landkreisgrenzen hinaus mit Leben erfüllen“, machte Feil klar. Die Geschäftsleiterin der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT), Maria Stangassinger, sehe darin keinen Widerspruch, begegnete Feil so manchen Bedenken.

 

Agnes Thanbichler warnte davor, Fronten aufzubauen, da auch die Biosphärenregion touristische Absichten verfolge. Im Übrigen müsse geklärt werden, ob Förderungen sich nicht gegenseitig schädlich auswirkten. Feil mochte darin keinen Widerspruch erkennen, im Gegenteil eher eine Win-Win-Situation. Es sei auch nicht Aufgabe der Stadt, mögliche Widersprüche auszuräumen.

 

„Wir helfen der BGLT sogar aus einer Verlegenheit“, meine Werner Eckl, weil die mit der Abstufung einer Submarke ohnehin nicht glücklich gewesen sei. „Ab morgen sind wir wieder eine vollständige Marke“, freut sich der Tourismusreferent, der Vergleiche mit Kärtner Regionen anstellte, wo qualitativ hochwertiger Speck und Käse die Gäste überzeugten und zu den entsprechenden Festen bis zu 30.000 Leute kämen.

 

Weil die Biosphäre zunächst im südlichen Landkreis gestartet war, und sich erst später über den ganzen Landkreis BGL erstreckt habe, sieht Georg Linner den Rupertiwinkel als gutes Bindeglied. 30.000 Euro wird die Machbarkeitsstudie kosten; aufgeteilt nach dem Übernachtungsschlüssel ergibt sich für die Stadt Laufen ein Beitrag von 1.300 Euro, der sich bei einer Förderung auf die Hälfte reduzieren könnte.

 

„Es ist eine Chance“, bilanzierte das Stadtoberhaupt, „das einzige Risiko besteht darin, dass jemand schimpft.“ – „Das halten wir aus“, kommentierte Peter Schuster, und seine Kollegen sahen das ebenso.

 

Autor: Hannes Höfer (Artikel erschienen am 09.12.16 in der Südostbayerischen Rundschau)

 

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