Freitag, 04 November 2016 18:09

Beitritt Surbergs zur Ökomodellregion wurde abgelehnt

Surberger Gemeinderat stimmte mit 8:7 Stimmen ganz knapp gegen den Antrag

Surberg. Mit dem äußerst knappen Ergebnis von 8:7 Stimmen lehnte der Surberger Gemein-derat in seiner jüngsten Sitzung nach einer ausgiebigen Debatte den Beitritt zur Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel ab. In einer Informationsveranstaltung im September hatten Vertreter der Ökomodellregion der Bevölkerung im Wirtshaus Lauter ihre Ziele dargestellt. Ein Hauptziel ist dabei der Ausbau der biologischen Landwirtschaft.

 

Eine Lanze für die Ökomodellregion brach Elke Scheil. Sie argumentierte, die Gemeinde könne sich weiterentwickeln und als Vorbild dienen. Es gehe nicht nur um die Landwirtschaft. Für sie gebe es viel mehr Gründe. Wenn jede Gemeinde so handeln würde wie Surberg, wäre die Ökomodellregion niemals entstanden. Die Ökomodellregion sei eine Gemeinschaft, in der alle Mitgliedsgemeinden zusammenhelfen könnten. Ihr gehe es um die Inhalte und nicht um die Mitgliedschaft allein. Wenn ein Landwirt auf Bioproduktion umstelle, sei dies wunderbar. Wenn nicht, sei es auch gut.

 

Ulrich Stöhr hielt dagegen, dass bei der Biomilch ein Abnahmestopp von Seiten der Molkereien bestehe. Bei der Informationsveranstaltung habe der Leiter des Traunsteiner Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Alfons Leitenbacher, zudem betont, die Ökomodellregion brauche aktive Gemeinden. Daran hegte Stöhr angesichts der wenigen Teilnehmer an der Veranstaltung seine Zweifel. Wer hindere im Übrigen die Gemeinde Surberg daran, sich auch ohne Mitgliedschaft in der Ökomodellregion ökologisch zu verhalten?

 

Zweiter Bürgermeister Michael Wimmer meinte ebenfalls, die Umstellung und Vermarktung auf Bioprodukte sei derzeit schwierig. Die Landwirte hätten jetzt schon viele andere Möglichkeiten, sodass der Beitritt zur Ökomodellregion nicht notwendig sei. In der Gemeinde gebe es zudem keine Leute, die mitarbeiteten. Mit Blick auf die rund 4000 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr fragte Wimmer, ob man nicht besser schauen sollte, wo man dieses Geld woanders sinnvoll einsetzen könne.

 

Katharina Schallinger erklärte, das Interesse an der Informationsveranstaltung sei sehr gering gewesen. Die Ökomodellregion betreffe in erster Linie die Landwirtschaft. Die Vertreter der Ökomodellregion hätten deutlich gemacht, dass sie keine „stillen Teilhaber“ bräuchten. Die Leute in Surberg stünden aber nicht dahinter. Hubert Anfang war ebenfalls skeptisch, weil auch die Bereitschaft der Verbraucher fehle.

 

Martin Zillner betonte, das Thema Ökomodellregion sei 2013 losgegangen, weil der Waginger See wegen seiner Verschmutzung ein schlechtes Image gehabt habe. Die Marktgemeinde Waging habe wegen des Fremdenverkehrs etwas machen müssen. Zielsetzung sei gewesen, die Bioflächen zu verdoppeln. Kein Landwirt werde jedoch in eine Umstellung auf Bioproduktion gehen, wenn er keine Zusagen von den Molkereien bekomme. Kritisch sah Zillner ebenfalls, ob sich die Gemeinde gegenüber allen Landwirten neutral verhalten würde. Schließlich sei die Ökomodellregion auf Bioprodukte fixiert, weil der Freistaat mehr Biobetriebe haben wolle. Ferner wollte er wissen, was sei, wenn in drei Jahren die 75-prozentige Förderung des Freistaats wegfalle. Dann erhöhe sich der Mitgliedsbeitrag bis zu 20 000 Euro im Jahr.

 

Bürgermeister Josef Wimmer versicherte dagegen, die konventionelle Landwirtschaft solle nicht schlechter gestellt werden. In drei Jahren müsse man andere finanzielle Wege finden, sollte die Förderung nicht verlängert werden.

 

Dritter Bürgermeister Georg Rehrl fand die Informationsveranstaltung sehr interessant. Was ihn traurig stimmte, war die Tatsache, dass nicht viele Leute da waren, um zu hören, was möglich sei. Außerdem stellte er eine von vornherein negative Stimmung bei der Informationsveranstaltung fest. Rehrl sah Chancen für alle Landwirte, die in bestimmte Vermarktungsnischen gehen könnten. Grundsätzlich sei es wünschenswert, wenn die Gemeinde der Ökomodellregion beitrete. Aber wenn kein Landwirt dahinter stehe und sich einbringe, habe es keinen Sinn. Dies könne nämlich nicht Aufgabe des Gemeinderats sein.

 

Robert Hintereder sah in einem Beitritt eine mögliche Initialzündung dafür, dass sich Landwirte und Bürger in die Ökologie einbrächten und neue Gedanken einfließen ließen. Die Gemeinde habe mit einem Beitritt nichts zu verlieren.

 

Claudia Spohn meinte, Surberg habe den Fremdenverkehr nicht mehr. Die Gemeinde sei an-ders aufgestellt als ländlich-touristisch. Dagegen sagte Georg Schmid, man lebe in einer Gegend mit vielen Erholungsmöglichkeiten. Auch ohne Fremdenverkehr sei es wichtig, eine intakte Umwelt zu haben. Warum solle sich mit der Ökomodellregion nichts entwickeln, fragte er.

 

© Günter Buthke jun., erschienen am 22.10. in der Südostbayerischen Rundschau

 

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