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Die Wonneberger Jagdpachtvergabe 1850 (2)

(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 102)

 

In der vorigen Beilage wurde berichtet, dass am 1. Mai 1850 die Wonneberger Jagd an Johann Schmid um 5 Gulden und 12 Kreuzer verpachtet wurde. Am 5. Mai wurde der Beschluss der Gemeinde vorgelegt, worüber noch das Protokoll vorliegt:

 

Beschluß der Gesamtgemeinde Wonneberg betreffs der Gemeindejagd des Bezirks, hier die Begutachtung der Gemeinde des bei der Versteigerung der Jagd am mehrist geboten habenden Jägers. Die Gemeinde Wonneberg zählt 90 stimmberechtigte Mitglieder. Hiervon waren heute 60, also mehr als die Hälfte versammelt. Diesen wurde das Resultat der am 1. Mai vorgenommenen Versteigerung der Jagd des Gemeindebezirks, dass nämlich Johann Schmid, Hausbesitzer der Gemeinde, nachdem die Jagd um4 fl (Gulden) aufgeworfen, dieselbe von ihm mit Ausschluß der zu lösenden Jagdkarte um 5 fl 12 kr ersteigert wurde, vorgetragen unsd an sämtliche die Frage gestellt, ob sie die Jagd auf den genannten Schmid übertragen wollen. Da die Frage mit einem beschließendem "ja" beantwortet wurde, was hiermit die unterzeichneten Mitglieder des Ausschusses durch Unterschrift bestätigen."

 

Noch am gleichen Tag wurde der Beschluß an das Landgericht Laufen weitergeleitet, worin "die gehorsamst unterfertigte Landgemeinde Wonneberg die Bitte um Ausstellung der Jagdkarte vorzubringen wagt".

 

Der Jagdschilling wurde voll an die Gemeindekasse eingezahlt und kam somit allen Gemeindemitgliedern zugute. Wenn wir die Höhe des Jagdschillings von 1850 bis 1923 vergleichen wollen, ist es notwendig, die bis zum 31.12.1876 gültige Guldenwährung in Mark umzurechnen (1 Gulden = 1,71428 Mrk). Bis 1854 hatte Schmid die Jagd inne und zahlte dafür 5 fl 12 kr = ca. 9 Mark. 3 Jahre später pachtete der Gessenberger Gutsbesitzer Schiller die Wonneberger Jagd und zahlte im Jahr 18 fl 30 kr == 32 Mark in die Gemeindekasse. 1862 bis 1868 hatte der Schwemmbräu von Waging Jakob Eggl die Pacht um jährlich 39 fl 40 kr = 68 Mark.

 

2 Jahre lang bejagte den Gemeindebezirk Ferdinand Waßner von Waging (Jahrespacht 50 fl = 86 Mark). 1871 bis 1876 hatte endlich wieder ein Wonneberger die Jagdpacht inne: der Gensberger Bauer Jakob Strasser und lieferte jährlich 42 fl = 72 Mark in die Gemeindekasse ab. Der Jagdbezirk wird mit 5284 Tagwerk angegeben. Ein einziges Jahr, 1877 hatte wieder ein Gessenberger die Wonneberger Jagd, Hauptmann Unwein, der für dieses Jahr 160 Mark zahlte. Ihm folgte von 1878 bis 1881 Rotheneicher, der die Jagd um 151 ersteigert hatte. Damals war, wie es scheint, die Jagdkarte nicht so begehrt wie heutzutags, denn von 1882 bis 1893 wurde nicht mehr als 141 Mark geboten, um welchen Betrag Johann Reichl von der Mittermühle den Zuschlag bekam. Ab 1887 allerdings musste er 258 Mark zahlen. Bis 1905 sind die Namen der Jagdpächter weder in den Rechnungsbüchern, noch in den Tagebüchern zu finden. In diesen Jahren ist die Jagd um 270 Mark verpachtet. Von 1906 bis 1918 ist alleiniger Pächter Franz Wimmer und von da ab zusammen mit Peter Weiß. Der Jagdschilling betrug bis 1911 320 Mark, bis 1917 350 Mark, dann zeichnet sich bereits die Inflation ab: 1918 600 Mark, 1920 und 1921 2000 Mark, 1922 241.000 Mark. Dann wird es ganz verrückt:

 

20.02.1923                                                 80.000
15.04.1923        Nachzahlung                     160.000
28.07.1923        Nachzahlung                     160.000
30.09.1923        Nachzahlung               50.0000.000        (50 Millionen)
15.10.1923        Nachzahlung            1.000.000.000        (1 Milliarde)
22.10.1923        Nachzahlung          10.000.000.000        (10 Milliarden)
11.11.1923        Nachzahlung     1.000.000.000.000         (1 Billion)
03.12.1923        Nachzahlung     6.000.000.000.000         (6 Billionen)

 

Diese 7 Billionen waren im Dezember noch 7 Goldmark.

 

Wir sehen, dass auch in der "guten alten Zeit" alles von Jahr zu Jahr teurer wurde. Die Leute, die heute über 65 Jahre alt sind, können sich noch an die Inflation erinnern. Wenn ein Arbeiter seinen Wochenlohn heimtrug, konnte es ihm passieren, dass er dafür am Samstag nicht eine einzige Semmel bekam.

 

Eine Billion kann man sich nicht vorstellen: wenn der Sekundenzeiger einer Uhr 1 Billion mal vorgerückt ist, sind mehr als 31.700 Jahre vergangen.

 

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