Freitag, 21 Juni 2013 14:11

Die Wallfahrtskirche St. Leonhard am Wonneberg

Wallfahrtskirche St. Leonhard am Wonneberg (Foto: Wolff)|| Wallfahrtskirche St. Leonhard am Wonneberg (Foto: Wolff)|| ||

Die Wallfahrtskirche St. Leonhard am Wonneberg liegt in der Gemeinde Wonneberg bei Waging am See im Rupertiwinkel in Bayern. Von einigen Häusern umgeben steht sie auf dem höchsten Punkt einer Anhöhe.

Geschichte

Wonneberg wird als „Wagingerberg“ erstmals um das Jahr 1000 in einer Urkunde von Erzbischof Hartwig erwähnt. Ab etwa 1207 gehörten die drei Anwesen auf der Anhöhe dem Zisterzienserkloster Raitenhaslach, welches bis zur Säkularisation von 1803 die Grundherrschaft ausübte. Der erste Kirchenbau und das Patrozinium dürften auf die Zisterzienser zurückgehen, da diese den hl. Leonhard besonders verehrten. Bei Grabungen wurden unter dem heutigen Gotteshaus die Fundamente zweier Vorgängerkirchen festgestellt, das ältere stammt wohl aus dem späten 13. Jahrhundert.

 

Die aufblühende Wallfahrt um die Mitte des 15. Jahrhunderts könnte der Grund für den spätgotischen Neubau unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach gewesen sein, der 1496 vollendet wurde. Nach einem Niedergang in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stiegen die Wallfahrten um 1600 wieder stark an. Dies führte zu der frühbarocken Ausmalung der Kirche in den Jahren 1631 bis 1634. Im Jahre 1682 wurde ein neuer Hochaltar mit Gemälden des Salzburger Malers Johann Friedrich Pereth aufgestellt und 1691 der Turm um das achteckige Geschoss und die Zwiebelhaube aufgestockt.

 

Eine neue Ausstattung erhielt die Kirche 1862 mit den beiden Seitenaltären und der Kanzel, sowie 1895 mit dem neuen Hochaltar, in den die noch vorhandenen spätgotischen Altartafeln integriert wurden. In den Jahren von 1980 bis 1986 wurden die überstrichenen frühbarocken Fresken freigelegt. Seither ist die Kirche verstärkt zum Ziel von Kunstfreunden geworden.

 

Äußeres

Die spätgotische Kirche wurde 1496 unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach vollendet. Am Gesims des Langhauses und des Chores verläuft ein spätgotisches ornamentales Freskenband. Der Turm erhielt 1691 statt seines Spitzhelms den achteckigen Aufsatz mit der vierfachen Zwiebelhaube. Dem spätgotischen Südportal in der Vorhalle gegenüber befindet sich das heute zugemauerte Nordportal. Dies weist darauf hin, dass St. Leonhard eine so genannte „Rittkirche“ war. Zum Zwecke der Segnung führte man die Pferde durch das Gotteshaus.

 

Inneres

Der Innenraum wird von einem spätgotischen Gewölbe überspannt. Die Zwischenräume der Gewölberippen wurden 1631 bis 1634 von einem unbekannten Maler mit qualitätvollen frühbarocken Fresken geschmückt. Die Fresken im Altarraum zeigen in der Mitte acht Engel mit Leidenswerkzeugen Christi. Sie sind umgeben von einem Passionszyklus mit 14 Szenen (Kreuzwegstationen). Diese zählen zu den ältesten Darstellungen dieses Themas in ganz Bayern. An den Stichkappen sind 14 weibliche Heilige dargestellt. Das Gewölbe im Langhaus ist als „Heiligenhimmel“ gestaltet und zeigt zahlreiche heilige Männer, die jeweils mit ihrem Namen bezeichnet sind. An der Südwand (rechts) ist die Auferstehung Christi dargestellt, gegenüber der heilige Leonhard. An den Wänden des Langhauses haben sich Inschriften erhalten, die von einstigen Wallfahrern stammen.

 

Ausstattung

In den 1895 errichteten Hochaltar wurden vier noch erhaltene spätgotische Tafeln aus dem Vorvorgängeraltar eingefügt. Bei geöffnetem Schrein zeigen die Tafeln links die Heiligen Laurentius und Johannes den Täufer, rechts Sebastian und Stephan. In der Mitte stehen drei neugotische Figuren von 1895: Agnes, der Kirchenpatron Leonhard, und Aloisius. Bei geschlossenem Schrein (in der Fastenzeit) sind die vier spätgotischen Tafeln mit Passionsdarstellungen zu sehen. Sie zeigen von links nach rechts Jesus am Ölberg, Kreuztragung, Kreuzigung und Auferstehung Christi. Die Ölbergszene zeigt Salzburg und den Gaisberg im Hintergrund. Die Kreuztragung ist in der Reichenhaller Gegend dargestellt. Die Kreuzigung geschieht vor der Kulisse von Hallein und des Göllmassivs. Die Auferstehung ist in der Gegend von Teisendorf dargestellt, mit Fuderheuberg, Staufen und Zwiesel im Hintergrund. Die Tafeln stammen aus der Werkstatt des Gordian Guckh aus Laufen und sind in den Jahren 1511 bis 1513 entstanden. Sie gelten als die qualitätvollsten Malereien, die sich aus der Werkstatt Guckh erhalten haben. Über den Tafeln im Gesprenge des Altars finden sich eine Kreuzigungsgruppe und die Bauernheiligen Isidor und Notburga (1895).

Das Gemälde des heiligen Christophorus an der Nordwand des Langhauses wird ebenfalls der Werkstatt des Gordian Guckh zugeschrieben. Die im Jahr 1862 aufgestellten Seitenaltäre zeigen links den heiligen Ägidius und rechts den Evangelisten Johannes. Aus dem gleichen Jahr stammt die Kanzel. Die obere hölzerne Empore wurde ebenfalls im 19. Jahrhundert eingebaut. An der Nordwand sind in einer Vitrine mittelalterliche Eisenvotive ausgestellt, die bei Bauarbeiten im Bereich des Fundaments der Vorgängerkirche gefunden wurden.


Wallfahrt

Um 1450 nahm das Wallfahrtsgeschehen seinen Anfang, ließ aber bis etwa 1580 nach. Zum Ende des 16. Jahrhunderts stieg dann die Zahl der Wallfahrer wieder stark an. Die Wallfahrt zum Viehpatron Leonhard war derart einträglich, dass die Salzburger Hofkammer oft ihre leeren Kassen mit Geldern der Wonneberger Wallfahrtskirche auffüllte. Im 18. Jahrhundert musste St. Leonhard sogar einen bestimmten Prozentsatz der Einnahmen an die Hofkammer abführen. Neben Geld haben die Wallfahrer vorwiegend Naturalien, vor allem aber eiserne Votivgaben (Ketten, Hufeisen, Tierdarstellungen) geopfert, die dann wieder an Schmiede zum Materialpreis verkauft wurden. Nach einer Visitation im Jahre 1787 mussten die vielen Votivgaben in der Kirche beseitigt werden.

 

Leonhardiritt

Der traditionelle Pferderitt (wohl am Ostermontag) wurde nach 1785 im Zuge der Reformen des Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo verboten. Für das 19. Jahrhundert sind vereinzelte Pferderitte belegt, die jedoch nicht mehr am Ostermontag und auch nicht am Leonharditag stattfanden. In den 1920-er Jahren wurde die Tradition (jeweils am Patroziniumstag, 6. November) wieder aufgenommen und - mit Unterbrechungen in den Weltkriegen - bis 1966 aufrechterhalten. Danach war die Durchführung des Leonhardirittes wegen des Mangels an Pferden für einige Jahre nicht mehr möglich. Im Jahr 1973 gründete sich der Leonhardi-Verein Wonneberg, der seither den Fortbestand des Umrittes sichert. Nach Angaben des Vereins ist der Wonneberger Leonhardiritt einer der ältesten in Bayern und der größte im Landkreis Traunstein.

 


 

Quellen

 

Gelesen 3812 mal Letzte Änderung am Freitag, 13 Dezember 2013 15:39