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Bio wirft mehr Gewinn ab

Laufen schielt in Richtung Ökomodellregion – Großes Interesse am Infoabend – Stadtrat entscheidet noch in diesem Jahr

 Hannes Höfer, Südostbayerische Rundschau vom 13.10.2016

 

Laufen. Die Verantwortlichen der Ökomodellregion Waginger See / Rupertiwinkel ließen am Montagabend keinen Zweifel: Sie würden Laufen als Zentrum des Rupertiwinkels gerne als zehnte Gemeinde mit im Boot haben. Und was sagen die Laufener? Die zeigten zunächst einmal großes Interesse, denn der Chorsaal im Kapuzinerhof platzte fast aus allen Nähten. Interessant und kurzweilig schilderten die Akteure, Bauern, Verarbeiter und Politiker ihre Sicht der Dinge. Laufens Stadtrat will noch in diesem Jahr über einen Beitritt entscheiden.

 

„Niemanden etwas überstülpen“, erläuterte Laufens Bürgermeister Hans Feil die Vorgehensweise des Stadtrates, erst einmal eruieren, ob Interesse da sei bei Landwirten, Produzenten und Verbrauchern. Die Bündnis-Grünen hatten beantragt, sich mit dem Thema Ökomodellregion zu beschäftigen, fast zeitgleich war die Einladung von dort an die Stadt gekommen, doch mitzumachen. Sieben Gemeinden waren 2014 gemeinsam gestartet, inzwischen sind es neun. Mit der Salzachstadt wären es zehn.

 

„Und dann zielgerichtet zwei Jahre durcharbeiten“, wünscht sich einer der beiden Sprecher, Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner. „Mehr Bio in der Region“, formulierte er nochmal deutlich den Ansatz und erläuterte den Aufbau mit derzeit neun Arbeitsgruppen, mit einem Kernteam und dem Vorstand, bestehend aus den Bürgermeistern und einigen Fachleuten. „Erzeuger und Verbraucher zusammenbringen“, sieht Birner als eine wesentliche Aufgabe.

 

 „Netzwerke schaffen“, war im Laufe des Abends mehrfach zu hören. Und Zusammenarbeit. Etwa mit den Programmen ILE und LEADER und – im Berchtesgadener Land – auch mit der Biosphären-Region. „So mancher sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr“, meinte denn auch Gastgeber Hans Feil, und ergänzte die Zahl möglicher Förderungen noch mit „boden:ständig“ und Interreg. Die Ökomodellregion selber zahlt kein Geld aus. Dennoch erkennt Alfons Leitenbacher darin eine „ökonomische Chance für die Landwirte“. Der Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein sieht einerseits die Landwirtschaft zunehmend in der Kritik, auf der anderen Seite aber Verbraucher, die immer weniger Ahnung hätten. „Zusammenbringen“, warb er deshalb für diesen „ganzheitlichen Ansatz“.

 

Drei Landwirte hatte Leitenbacher als Moderator in der ersten Gesprächsrunde neben sich. Hans Englschallinger aus Tittmoning ist dabei, seine Weidehaltung auf Bio umzustellen. Ab 1. Januar 2017 darf er zertifizierte Biomilch abliefern. „Jetzt schon ist mein Betriebsergebnis besser geworden“, sagte er. Für ihn war es „der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.“

 

Bio werfe mehr Gewinn ab, bestätigte Leitenbacher, und in einer gesättigten Gesellschaft sei ohnehin nurmehr qualitatives Wachstum möglich. Bio sei schwieriger, meinte dagegen Franz Huber, besonders im Ackerbau. „Auch konventionelle Bauern produzieren gesunde Lebensmittel“, ist der Fridolfinger überzeugt. Die konventionelle Landwirtschaft biete eine Riesenbandbreite, ergänzte Leitenbacher. Ein Ziel der Ökomodellregion etwa sei die Produktion von regionalem Eiweiß, anstatt es aus Übersee zu kaufen.

 

Das Miteinander von Biobetrieben und konventionell wirtschaftenden Höfen ist den Akteuren wichtig. „Brücken bauen“, beschrieb es Birner. Franz Obermeyer dagegen sieht in der herkömmlichen Landwirtschaft lediglich einen „Zwischenschritt“. Das Spritzen und Düngen höre sich allein deshalb bald auf, weil Kali und Phosphor zur Neige gingen. Obermeyer, vorgestellt als Bio-Urgestein, appellierte an die Verantwortung aller Bauern für die Böden und die Umwelt.

 

Der Laufener Dr. Sepp Heringer plädierte für regionalen Biogemüseanbau. „Doppelt schwierig: bio und ganz anders“, urteilte Moderator Leitenbacher darüber, bestätigte jedoch die große Nachfrage. Gerade die Region um Laufen wäre klimatisch begünstigt, um den „Mega-Trend regional“ auf diesem Sektor zu bedienen.

 

„Man muss sich trauen“, sagte Stefan Haunberger von der Brauerei Stein an der Traun, die Biobier aus regionaler Braugerste herstellt, und demnächst auch Hopfen anbauen will. „Aller Anfang ist schwer“, fasste Haunsberger seine Erfahrung zusammen und warb für die Ökomodellregion, denn hier kämpfe man gemeinsam.

 

Um Bioobst kämpft Gregor Greimel. „Ich bekomme keines“, beklagte der Laufener Safthersteller, obwohl viele Streuobstwiesen tatsächlich ungedüngt und ungespritzt – also eigentlich bio – blieben. Marlene Berger-Stöckl als Projektleiterin der Ökomodellregion machte ihm Hoffnung: „Wir sind dabei in Sachen Sammelzertifizierung einen neuen Anlauf zu starten.“

 

Als „fast aussterbende Gattung“ begrüßte Leitenbacher zwei Laufener Metzger. „Unser Vorteil ist der städtische Schlachthof“, erklärte Bernd Sichert. In der EU-zertifizierten Einrichtung sieht Bürgermeister Feil eine Chance für die Stadt. „Von der Produktion bis zur Schlachtung“, fasste der Stadtchef zusammen, „das hat einen großen Charme.“ Und vielleicht komme ja noch eine Öko-Zertifizierung hinzu. Sicherts Kollege Hermann Braunsperger bestätigte, dass immer mehr Kunden nach der Herkunft der Produkte fragten.

 

„Das Ziel: Selber machen“, warb Annemarie Hofstetter-Hack für die Verarbeitung von Lebensmitteln aus der Region. Das lernen ihre Schülerinnen in der Laufener Landwirtschaftsschule, und es gibt entsprechende Kurse.

 

Wagings Bürgermeister Herbert Häusl, neben Birner zweiter Sprecher der Ökomodellregion, sieht auch einen touristischen Faktor, denn er ist überzeugt: „Gäste wollen gesunden Genuss.“ Teilweise umgestellt auf Bioverpflegung hat bereits das Fridolfinger Krankenhaus. Das gleiche solle im Waginger Seniorenheim passieren, kündigte Häusl in Laufen an. Für die Kommunen gibt es einen 15-Punkte-Plan. Unter anderem geht es darin um die Neuverpachtung von Flächen, um Pflanzenschutzmittel, um die Beschaffung und anderes mehr.

 

„Einen Strauß an Möglichkeiten“ erkennt Hans-Jörg Birner, der aber auch betonte: „Jeder kann, niemand muss.“

 

Wichtig für eine Entscheidungsfindung beurteilte Hans Feil diesen Abend. „Von der Ökomodellregion umzingelt“, sieht er seine Heimatstadt. Er gestand, viel von alten Strukturen zu halten, von einem Rupertiwinkel, der über Landkreisgrenzen wieder zusammenwachse und zusammenarbeite.

 

2019 läuft die momentane Förderung aus. Auf die Frage, ob es danach weitergehe, antwortete Leitenbacher: „Die Staatsregierung denkt in Haushaltsperioden.“ Für den Amtsleiter wäre es aber „Wahnsinn“, diese „unverzichtbare“ Sache zu beenden. Birner baut dann auf eine Fortführung mit den vorhandenen Strukturen, in denen sein Kollege Feil eine Reihe an Fördertöpfen ortet. Vorausgesetzt, Laufen ist dabei.

 

Das starke Interesse der Stadträte an diesem Abend zeigt wohl in diese Richtung. Das Werben um Laufen als Mitglied würdigte Feil ganz besonders: „Wir haben hier heute eine Inflation an Bürgermeistern.“, denn neben seinen beiden Stellvertreterinnen waren weitere sechs Bürgermeister aus der Ökomodellregion in den Kapuzinerhof gekommen. - höf