Informationsveranstaltung der Gemeinde Surberg im Wirtshaus Lauter
Surberg. Eine Informationsveranstaltung über die Aktivitäten der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel führte die Gemeinde Surberg im Wirtshaus Lauter durch. Hintergrund sei ein möglicher Beitritt Surbergs, so Bürgermeister Josef Wimmer, der bedauerte, dass nur wenige Landwirte gekommen waren. Die Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel ist ein Zusammenschluss von bis her neun Gemeinden rund um den Waginger See.
Zielsetzung der Ökomodellregion sei, mehr Bioprodukte in der Region zu erzeugen und zu vermarkten, erklärte Vorstandsprecher und Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner. Dies sei ein Beitrag zur Ökologisierung. Ebenso wolle die Ökomodellregion mit Gemeinschaftsprojekten eine Brücke zu interessierten, konventionell wirtschaftenden Landwirten schlagen. Bei allen Bürgern sei zudem eine Bewusstseinsbildung zu leisten. Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Gastronomie wolle man zusammenbringen. „Die Ökomodellregion kann nicht alles lösen. Sie ist jedoch eine weitere Chance für die regionale Entwicklung“, betonte Birner. Die Förderung des Projektes durch den Freistaat laufe noch zweieinhalb Jahr.
In Gesprächsrunden, die der Leiter des Traunsteiner Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Alfons Leitenbacher moderierte, berichteten Landwirte, Verarbeiter, Gastronomen, Verbraucher und Gemeindevertreter aus der Ökomodellregion über ihre Erfahrungen. Landwirt Franz Gröll aus Otting sagte, die Umstellung auf Bioproduktion sei für ihn die richtige Entscheidung gewesen, auch wenn die Vermarktung nicht immer ganz einfach sei. Wie die Ökomodellregion sei auch der Bayerische Bauernverband für alle Landwirte da, ob biologische und konventionelle Produktion, sagte Kreisobmann Sebastian Siglreithmeier. Landwirt Franz Berger, der zurzeit auf Bioproduktion umstellt, erwartete sich von der Ökomodellregion, dass für die Biobauern etwas getan werde. Landwirt und Gemeinderat Martin Zillner aus Surberg meinte, die Zielsetzung der Ökomodellregion sei die Umstellung auf Bioproduktion. Er sah dies kritisch, da die Molkereien für Biomilch einen Aufnahmestopp hätten. Dies gab auch Leitenbacher zu: „Zu viel haben umgestellt, nun muss der Absatz mitwachsen.“ Ganz allgemein könne die Milchproduktion niemals in der Region vermarktet werden. Trotzdem müsse man versuchen, möglichst viel regional zu vermarkten. Kreisobmann Siglreithmeier ergänzte dazu: Der Selbstversorgungsgrad im Landkreis liegt bei 1000 Prozent.“
Bernhard Reiter von der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Traunstein, sagte, rund zehn Prozent der vermarkteten Kühe würden biologisch erzeugt. Von der Ökomodellregion erhoffte er sich eine gemeinsame Vermarktung. Sophie Heilmeier von der gleichnamigen Metzgerei in Waging sagte: „Wir suchen händeringend Landwirte, die sich auf Bioproduktion einlassen.“ Leitenbacher sagte, dies sei eine erfolgreiche Schiene mit Zuwachs. Die Hoffnung von Heinrich Thaler, der mit seiner Familie eine Landwirtschaft und eine Gastwirtschaft in Otting unterhält, war, mit der Ökomodellregion eine bessere Logistik hinzubringen. Vieles werde man bald biologisch selbst produzieren, weil es zu viele Engpässe gebe.
Wagings Bürgermeister Herbert Häusl, der ebenfalls Vorstandsprecher der Ökomodellregion ist, erklärte: „Ich bin von der Entwicklung positiv überrascht, weil es keine „Einzelkämpfer“ mehr gibt.“ Das Gebiet um den Waginger See sei wegen des Tourismus auch von einer intakten Region abhängig. Eine extensive Landwirtschaft helfe, diesem Ziel näher zu kommen. Kochkurse unter dem Motto „Bio, regional und saisonal“ veranstaltet Yvonne Liebl aus Waging. „Ziel ist es, die Produkte an den Endverbraucher zu bekommen“, sagte sie. Lebensmittel, die aus der Region kämen, hätten einen anderen Stellenwert.
Von Surbergs Bürgermeister Wimmer wollte Leitenbacher wissen, warum Surberg der Ökomodellregion betreten wolle. Wimmer meinte, seine Gemeinde gehöre regional dazu und es sei ein Gewinn für Surberg. Zweiter Bürgermeister Michael Wimmer wollte wissen, wie es mit der Finanzierung stehe und was nach Auslauf der Förderung passiere. Häusl entgegnete, dass zwischen 4500 und 5000 Euro pro Jahr auf die Gemeinde zukämen. Die Förderung der Ökomodellregion werde wohl nicht verlängert, aber sie werde bis dahin sehr viel Eigendynamik aufgenommen haben, sodass es weitergehe.
Gemeinderätin Katharina Schallinger fragte, wie denn die Resonanz bei den Surberger Landwirten sei. Zillner sagte dazu, eine Umstellung auf Bioproduktion könne man in zweieinhalb Jahren nicht erreichen. Dies sei erst dann interessant, wenn die Biomilch wieder nachgefragt werde. Bürgermeister Wimmer betonte, man solle die Chancen nicht verschlafen. Bürgermeister Häusl meinte, die Ökomodellregion sei gut für den Ruf der Landwirtschaft, der in das rechte Licht gerückt werde. Leitenbacher betonte, die Gemeinde Surberg müsse sich überlegen, was die Ökomodellregion für sie bringe und ob die Leute sich einbrächten. Nur eine Gemeinde mehr, die sich nicht beteilige, bringe der Ökomodellregion unter dem Strich nichts ein. Bürgermeister Häusl ergänzte, bedenken müsse die Gemeinde auch, was die Ökomodellregion ihr außer wirtschaftlichen Vorteilen bringe. Außerdem gebe es keine gute und schlechte Landwirtschaft. Die Landwirten sollten sich nicht auseinanderdividieren lassen. Bürgermeister Wimmer sagte, der Surberger Gemeinderat werde sich demnächst mit diesem Thema befassen. © Pressebericht aus der SOR vom 21.09. von Günter Buthke