Gut besucht war - mit über 80 interessierten Teilnehmern - eine Veranstaltung der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel im Gasthof Oberwirt in Otting, zum Thema „Umstellung auf Ökolandbau nach Maß“.
Bürgermeister Herbert Häusl verdeutlichte, dass eine Umstellung auf Ökolandbau zwar nicht für jeden Betrieb in Frage komme, dass aber jeder Ökobetrieb z.B. wegen geringerem Kraftfuttereinsatz und weiteren Faktoren ein Gewinn für den See und unsere Region sei. Kurz und knapp erklärte Dr. Susanne Rosenberger vom Fachzentrum Ökolandbau in Ebersberg, welche Anforderungen an einen Ökobetrieb gestellt werden und wer dafür besonders gute Voraussetzungen mitbringe: Betriebe, die den Durchschnitt von 1,8 GV (Großvieheinheiten) je Hektar nicht überschreiten, die eine durchschnittliche Milchleistung haben, auf Weidegang oder Grünfütterung mit wenig Maissilage setzen und ihre Kälber mit Vollmilch füttern. Den Öko-richtlinien entsprechen ein Laufstall mit Laufhof oder Weide oder ein Offenfrontstall. Für Kleinbetriebe bis zu 35 RGV (Rindergroßvieheinheiten) mit Weidegang bleibt die Anbindehaltung erlaubt, wenn ein einfacher befestigter Winterauslauf errichtet wird.
Stefan Scholz, Berater eines anerkannten Bioverbandes, zeigte anhand Daten der letzten 10 Jahre auf, dass ein Ökobetrieb im Landkreis im Durchschnitt jährlich 10.000,-€ mehr erwirtschaftet habe, auch wenn es in einzelnen Jahren kein so positives Ergebnis gebe. Am rentabelsten schnitten dabei Öko-Betriebe mit 30 bis 50 Kühen und nicht zu hohem Kraftfuttereinsatz ab. Von der jetzigen hohen Milchpreisdifferenz zwischen bio und konventionell, die aktuell bei ca. 16 Cent liegt, dürfe man sich nicht blenden lassen; langfristig lag der Unterschied in den meisten Jahren bei 8-10 Cent und das sei der Betrag, den der Ökobetrieb auch brauche, um den geringeren Ertrag bzw. höheren Arbeitsaufwand auszugleichen.
„Keine Angst vor der Öko-Kontrolle“ war das Motto von Biobauer Hans Praxenthaler aus Fridolfing. Er sehe im Kontrolleur der Biorichtlinien niemanden, der ihm etwas Böses wolle, sondern nutze die Erfahrung, die der Kontrolleur im Vergleichen der Ökobetriebe mitbringt, für mögliche Verbesserungen im Betrieb. Dann kann auch bei unangenehmen Feststellungen wie „zu viele Trockensteller bei den Kühen“ nach der Ursache gesucht und das Problem schlussendlich in eine positive Lösung umgemünzt werden. Dafür sei aber die ehrliche Bereitschaft des Landwirts zu Transparenz notwendig. Der Aufwand sei kaum höher als für herkömmliche Qualitätssicherungssysteme in der Landwirtschaft.
Christian Wagner, Geschäftsleiter der Molkerei Andechs, zeigte die positive Entwicklung im Biobereich eindrucksvoll auf. Seit 2009 hat Andechs vollständig auf Bioprodukte aus Kuh- und Ziegenmilch umgestellt. Die Molkerei Berchtesgadener Land erwirtschaftet ein Viertel ihres Umsatzes mit Bioprodukten und verzeichnet ebenfalls ein langsames, stetiges Wachstum im Biosegment, wie Georg Fischer, Mitarbeiter der Milchwerke Berchtesgadener Land, ausführte. Beide Molkereien zusammen decken einen Großteil der bayerischen Biomilchproduktion ab. Ohne ein klares Bekenntnis zu hochwertigen Bioqualitätsprodukten, mit denen man sich von der Masse des Überangebotes auf dem heimischen Markt abhebt, sei diese Entwicklung nicht möglich gewesen.
In der anschließenden Diskussion, geleitet von Landwirt Franz Obermeyer, wollte Georg Heigermoser wissen, warum die geplanten Neuerungen der EU-Ökoverordnung, die nur noch das Endprodukt auf Schadstoffe kontrolliere, unabhängig von der Herstellung, kritisch gesehen würden. Die anwesenden Verbandsberater aller vier bayerischen Bioverbände betrachteten diesen Weg als ungerecht, denn das gute Miteinander von Öko- und konventionellem Landwirt würde durch kleine Abdriften bereits gefährdet und der ökologisch orientierte Herstellungsprozess in keinster Weise berücksichtigt. Der frühere Biolandwirt Sepp Hastreiter wies darauf hin, dass seine sandigen Böden mit geringer Humusauflage nach 20 Jahren Bioackerbau mit sehr guten Erträgen in den Phosphor- und Kaligehalten stark abgefallen waren. Viehloser Ackerbau ohne ausreichenden Ersatz der Nährstoffe durch organische Düngung scheint zumindest auf sandigen Böden nicht dauerhaft zu funktionieren. Hier müsse man im Einzelfall schauen, wie die Nährstoffverluste ausgeglichen werden können, z.B. durch Zukauf von Kompost, so die Bio-Berater, denn viehloser Öko-Ackerbau sei eine schwierige Disziplin – und bei Demeter auch nicht erlaubt, so Franz Obermeyer. Sepp Hogger, ein Betriebsleiter in Umstellung, forderte die Landwirte auf, auf Qualität statt auf Quantität bei der Milcherzeugung zu setzen, denn Bayern werde dank kleinstrukturierter Landschaft nie mit den großen Preisbildnern auf dem Weltmarkt mithalten können.
Die Frage, wer denn nun die einzelbetriebliche Situation auf Umstellungseignung prüfen könne, wurde von Susanne Rosenberger gern beantwortet: Das Fachzentrum Ökolandbau stehe jederzeit für eine kostenlose Erstberatung zur Verfügung, parallel dazu die Verbandsberater – Alois Fersch von Demeter, Monika Huber vom Biokreis, Dieter Sixt von Bioland und Stefan Scholz von Naturland. Alle Interessenten können sich bei Fragen auch gern an die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel wenden, das Büro ist von montags bis donnerstags besetzt.
Marlene Berger-Stöckl/ Ökomodellregion