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Donnerstag, 26 August 2021 15:06

Zum Tode von Hans Eder: Auf ewig ein Kanapee im Himmel

Glücklich daheim am Frühstückstisch, vielfältig engagiert im Leben: Hans Eder.|||| Glücklich daheim am Frühstückstisch, vielfältig engagiert im Leben: Hans Eder.|||| Foto: privat - Quelle: www.pnp.de||||

Für immer von dieser Welt verabschiedet hat sich diese Woche der langjährige Lokalpolitiker und Journalist Hans Eder. Er starb im Alter von 67 Jahren an den Folgen einer heimtückischen Krankheit letztlich schnell und unerwartet.

Eigentlich sollte er Pfarrer werden, aber letztlich fand er neben der Familie seine Erfüllung als engagierter Politiker in Traunreut sowie Fotograf und Schreiber für die Zeitungen in seiner Heimat. Das Leben dieses Mannes war so voller Facetten, dass man ihm kaum gerecht werden kann. Er kam am 29. April 1954 als erstes Kind von Hildegard und Engelbert Eder auf einem kleinen Bauernhof in Fritzenweng zur Welt. Dort wuchs er mit seiner Schwester Annelies und den Brüdern Engelbert und Schorsch auf. Nach Grundschule in Otting und Gymnasium in Traunstein, einige Jahre als Internatsschüler am Priesterseminar in Traunstein, begann er ein Theologiestudium in München. Mit der Zeit wuchsen aber seine Zweifel an der Institution katholische Kirche, und nach Abschluss des Vordiploms kam sein Befreiungsschlag und er verließ Universität und Kirche.

 

Gerne erinnerte er sich später noch an seine anschließende Zeit in Israel, wo er Unterkunft und Arbeit in mehreren Kibbuzen fand: "Die Verbundenheit mit Land und Sprache ist ihm ein Leben lang geblieben. Das war mit die prägendste Phase seines Lebens", erinnert sich Tochter Karin.

 

Trockener Humor und mitten im Leben

In der Landwirtschaft arbeitete er auch nach seiner Rückkehr in die Heimat, als er mit Freunden in einer Wohngemeinschaft auf einem Bauernhof in Taufkirchen lebte. "Das war praktisch die erste Landkommune in der Gegend", erinnern sich der langjährige Freund und ehemalige Kienberger Bürgermeister Hans Urbauer und seine Frau Burga. Wie in Israel hatte sich Hans Eder, damals mit langen Haaren und wildem Bart, in Taufkirchen als Melker bei Bauern in der Umgebung ein Zubrot verdient. Für die Urbauers bleibt seither Eders trockener Humor unvergessen: "Er war aber auch ein liebenswerter und sehr bescheidener Mensch." Die Freundschaft zu den Urbauers ist ebenso nie mehr abgerissen wie zu Hans Pastl aus Emertsham, mit dem Eder einst in der Kommune gewohnt hat: "Schon damals hing er nie in der Vergangenheit oder dachte an die Zukunft. Er lebte den Tag und im Augenblick, war äußerst genügsam und sehr geduldig. Er hat bis zuletzt nie gehadert und auch keine Angst gehabt, obwohl er zuletzt wusste, was ihn erwartet."

 

Im Winter 1980 lernte Hans Eder auf einem Faschingsball in Stein an der Traun seine zukünftige Frau Renate Grütter kennen. Er arbeitete bald in der Buchhandlung der Mutter seiner Partnerin in Traunreut mit und war den beiden Töchtern seiner Frau, Inez, damals sechs Jahre, und Anke, damals zwei Jahre, von Anfang an ein hingebungsvoller Ersatzvater. 1982 kam schließlich Tochter Karin zur Welt.

 

Zu dieser Zeit arbeitete Hans Eder längst als Journalist: Im Juni 1980 begleitete er dabei seine erste politische Veranstaltung in Traunreut, eine Versammlung der SPD im ehemaligen Höhenrestaurant des "Württemberger Hofs". Seitdem hat er drei Jahrzehnte lang die Traunreuter Kommunalpolitik sowohl als Zeitungsberichterstatter begleitet, als auch selber an der Kommunalpolitik mitgewirkt. Im Mai 1990 ist er als einer von zwei Vertretern der von ihm mitbegründeten Bürgerliste Traunreut in den Stadtrat gewählt worden. Hans Eder und seine Mitstreiter wurden dabei von einem später sehr prominenten Politiker unterstützt: Sepp Daxenberger, der als erster Bürgermeister der Grünen in Waging am See und später als Landtagsabgeordneter im ganzen Freistaat und weit darüber hinaus bekannt geworden ist. Mit dem im August 2010 verstorbenen Daxenberger verband Hans Eder eine lange Freundschaft, eine Zeit lang wohnte der Abgeordnete sogar bei ihm in Fritzenweng.

 

Nach drei erfolglosen Bürgermeister-Kandidaturen und 14 Jahren im Stadtrat war Hans Eder 2004 zurück in seinen Heimatort Fritzenweng in der Gemeinde Wonneberg gezogen. Seit dieser Zeit berichtete er schwerpunktmäßig und aus "nahe liegenden" Gründen über die Marktgemeinde Waging am See. "Aber aus alter Verbundenheit heraus durchaus gelegentlich auch noch über Traunreuter Ereignisse", wie er selbst einmal erzählte. Und an den Sonntagen unterstützte er seither praktisch ununterbrochen die Redaktionskollegen in Trostberg beim Redigieren und Seitenbauen, wirkte als ruhiger Pol, wusste auf praktisch alle Fragen zu Personen, Ereignissen und Hintergründen eine Antwort und wird entsprechend schmerzlich vermisst.

 

Daheim kümmerte er sich einige Jahre um seinen zuletzt pflegebedürftigen Vater, der inzwischen verstorben ist. Mit der anschließenden Rückkehr seiner Tochter Karin und der Geburt deren Tochter Emmi kehrte junges Leben in sein Zuhause und sein Leben ein, das außerdem drei weitere Enkelkinder seiner beiden Töchter Inez und Anke bereicherten.

 

Steter Einsatz für die Bürger im Vordergrund

So sehr Hans Eder als Politiker austeilen konnte, so zurückhaltend war er als Journalist und Privatmensch. Um sich selbst machte er nie viel Aufhebens, schob lieber andere in den Vordergrund. Trotzdem erinnern sich seine Mitstreiter der Bürgerliste, wie Rosi Gerold und Sepp Winkler, noch heute gerne an die süffisanten Wortmeldungen in Stadtratssitzungen und Versammlungen, Ansprachen am Aschermittwoch und Kommentare von Hans Eder als Bürgerlisten-Vorsitzender: "Er hat immer klar ausgesprochen, was ihm wichtig war. Im Vordergrund stand für ihn immer der Nutzen für die Bürger, Prestigereden waren im zuwider", versichert Winkler. Rosi Gerold und ihr Mann bedauern den Verlust eines sehr wichtigen Freundes: "Er fehlt uns sehr, denn er hat uns immer wieder besucht. Als politischer Mensch traf er mit seinen manchmal satirischen Aussagen immer den Kern. Wir streitbaren Frauen in der Bürgerliste haben durchaus mit ihm gestritten, aber konnten mit ihm auch immer eine Lösung finden. Er war immer kompromissbereit."

 

Als Journalist kannte Hans Eder praktisch alle Aktiven im öffentlichen Leben im Landkreis Traunstein und weit darüber hinaus. Er verstand es, sowohl lebendig über nüchterne Sitzungen von Kommunalparlamenten zu berichten, als auch die wichtigsten Themen aus stundenlangen Tagungen, wie etwa des Dekanats, herauszuarbeiten, die Menschen hinter den Ereignissen vorzustellen und wichtige Details entsprechend hervorzuheben.

 

Bis zuletzt konnte Hans Eder sich journalistisch austoben, als letzte Berichte schickte er zweieinhalb Wochen vor seinem Tod noch einen Bericht zu den Waginger Filmtagen und einer bevorstehenden Versammlung der Grünen. "Ein Artikel pro Tag geht, dann muss ich mich wieder ausruhen", erklärte er Redaktionsleiter Herbert Reichgruber noch Mitte Juli. Dabei hätten ihm seine Kollegen in der Redaktion gerne alle Ruhe gegönnt, die er zwischen seinen Behandlungen seit dem Bekanntwerden seiner Krebserkrankung Anfang des Jahres gebraucht hätte: "So können wir nur hoffen, dass jetzt im Himmel für ihn auf ewig sein so geliebtes Kanapee steht, auf dem er sich in Fritzenweng schon immer gerne ausgeruht hatte. Und vielleicht sitzt er dort dann oben mit Sepp Daxenberger vereint und macht sich über unser Treiben hier unten lustig", so Reichgruber.

 

Seinen Humor hat Hans Eder jedenfalls bis zum Schluss nicht verloren, das weiß auch Kirsten Benekam. Sie kam durch Hans Eder zum Schreiben, er war ihr über Jahre ein wichtiger Freund und Ratgeber. So besuchte sie ihn auch in den schweren letzten Monaten regelmäßig und half ihm als gelernte Physiotherapeutin immer wieder auf die Beine: "Er hat wirklich nie gejammert oder geweint. Wir haben viel geredet, und dabei fokussierte Hans immer nur das Leben, nicht den Tod." Eine Zeit lang wird er wohl noch fassungslos sein, dass er so schnell und früh abberufen worden ist, denn, wie Kirsten Benekam sich erinnert, waren seine letzten Worte ihr gegenüber: "Aufgeben gilt nicht. Nicht bei mir. Ich will kämpfen für das Leben.

 

Herbert Reichgruber

 

Quelle: 10.08.2021 Traunreuter Anzeiger und Südostbayerische Rundschau

 

Gelesen 214 mal Letzte Änderung am Samstag, 28 August 2021 20:45
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