Dienstag, 20 Juli 2021 10:48

Bürgermeister muss zahlen

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Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, brachten kleinen Firstdiebe ihre „Motorsägen“ mit. Sie drohten den geklauten Firstaufdoppler zu zersägen, wenn der Bürgermeister die leckeren Krapfen und Gummibärchen nicht umgehend herausrückt.|Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, brachten kleinen Firstdiebe ihre „Motorsägen“ mit. Sie drohten den geklauten Firstaufdoppler zu zersägen, wenn der Bürgermeister die leckeren Krapfen und Gummibärchen nicht umgehend herausrückt.|Noch liegt der stibitzte und mit Bändern und Luftballon geschmückte Firstaufdoppler auf dem Leiterwagen der Kindergarten-Knirpse. Bürgermeister Martin Fenninger erklärt ihnen, wozu das Holzteil notwendig ist.|||| Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, brachten kleinen Firstdiebe ihre „Motorsägen“ mit. Sie drohten den geklauten Firstaufdoppler zu zersägen, wenn der Bürgermeister die leckeren Krapfen und Gummibärchen nicht umgehend herausrückt.|Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, brachten kleinen Firstdiebe ihre „Motorsägen“ mit. Sie drohten den geklauten Firstaufdoppler zu zersägen, wenn der Bürgermeister die leckeren Krapfen und Gummibärchen nicht umgehend herausrückt.|Noch liegt der stibitzte und mit Bändern und Luftballon geschmückte Firstaufdoppler auf dem Leiterwagen der Kindergarten-Knirpse. Bürgermeister Martin Fenninger erklärt ihnen, wozu das Holzteil notwendig ist.|||| Anneliese Caruso|Anneliese Caruso|Anneliese Caruso||||

Tag für Tag können die Bürger von St. Leonhard sowie die Grundschul- und Kindergartenkinder auf ihrem Weg durchs Dorf verfolgen, wie an „ihrem“ neuen Bürgerhaus gewerkelt wird.

Da lag es nahe, dass eine Schulklasse und gleich der ganze Kindergarten ihre Aufwartung machten, unmittelbar bevor der Zimmerermeister vom First des Daches, dem Bauherrn und alle die dieses Haus anstrahlt, nach dem Fertigstellen des Rohbaus samt Dachstuhl mit einem Richtspruch viel Glück im neuen Haus wünschte und den Segen Gottes erbat. Es dauerte aber, bis dieser Wunsch und diese Bitte ausgesprochen werden konnten, denn es fehlte unter anderem ein Endstück eines Firstes. Mit Luftballons und weiß-roten Absperrbändern geschmückt lag das noch auf dem Leiterwagen, den die rund 50 Zwergerl aus dem Kindergarten und der Krippe ganz gemütlich hinter sich her zur Baustelle karrten. Die kleinen Frechdachse und ihre Erzieherinnen hatten dieses Firstendstück, einen sogenannten Firstaufdoppler nämlich vom Firmengelände des Zimmerers Ralf Klammer stibitzt und drohten, das fehlende Teil in der Dachkonstruktion nicht herauszurücken. Bis sie ihren Widerstand aufgaben, musste Bürgermeister Martin Fenninger seine ganze Überredungskunst aufbringen. Schließlich versprach er allen Knirpsen frische Krapfen und jede Menge Gummibärchen. Erst nach dieser erfolgreichen Bestechung durften die Zimmerer den Balken und die Firste auf den Rohbaudächern anbringen und den Dachstuhl mit einem letzten symbolischen Nagelschlag vervollständigen.

 

Der Dachbalken der Kleinen, war aber nur einer von drei Firstteilen, die dem Zimmerer entwendet und an diesem Tag auf das Baugelände zurückgebracht werden mussten. Einen zweiten Teil geleitete der Kulturverein St. Leonhard zusammen mit dem Burschenverein zurück und einen weiteren schaffte die Blaskapelle St. Leonhard gemeinsam mit der Krieger- und Soldatenkameradschaft bei. Diese Vereine transportierten ihn auf Traktoren, die Markus Mühlthaler und Sepp Eder steuerten. Ganz klar von den Dieben geschmiert, ließen die Traktorfahrer ihr Gefährt unterwegs immer wieder mal absterben. So musste Fenninger mit diesen Firstdieben auch erst lang und zäh darüber verhandeln, wieviel Bier und Schnaps notwendig ist, damit sich der Bulldog wieder in Gang setzt. Mit Erfolg: Per Handschlag wurden die „Auslösesummen“ schließlich besiegelt.

 

Derweil hielt Martin Riedl den Religionsunterricht in der dritten Klasse der Grundschule. Als die Klasse sah, was draußen los war, verlegte der Religionslehrer den Unterricht spontan auf den Dorfplatz, um mit den Buben und Mädchen die Firstteile herbeizusingen. „Lobt den Herrn auf Straßen und Plätzen! Halleluja, Halleluja! Lobet ihn, denn er ist unser Leben! Halleluja, Halleluja! Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja!“, schmetterten sie lautstark über den Dorfplatz.

 

In seiner kurzen Rede wünschte der Bürgermeister den Handwerkern und Firmenvertretern weiterhin einen unfallfreien Bauverlauf. „Bei der Einweihung möchten wir gerne alle Bürger versammeln, schließlich ist es ein Haus für alle Wonneberger“, sagte Fenninger. „Aber unter den aktuellen Corona-Bedingungen halten wir alles kurz und schlicht und im kleinen Rahmen.“

 

An diesem „Tattag“ ging es also vornehmlich um die alte Tradition, möglichst viel Trinkbares herauszuschlagen und um die aktive Beteiligung der Dorfbewohner am Bauprozess, ohne dafür groß Handanlegen müssen. Es handelt sich nämlich um ein Gebäude für die gesamte Dorfgemeinschaft, und dient allen öffentlichen, vereinlichen, und privaten Veranstaltungen. Deren Ziel ist es, das gesellschaftliche und kulturelle Leben in der Gemeinde zu fördern.

 

Martin Fenninger bedankte sich bei den Baufirmen, die für einen reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten sorgen. "Es freut mich natürlich sehr, ein Gebäude dieser Art verwirklichen zu können.“ Fenninger wies auch darauf hin, dass das Bauprojekt bisher problemlos abgewickelt werden konnte. In den nächsten Wochen stünden die Installationsarbeiten und der Einbau der Fenster an. Mit dem Innenausbau gehe es dann weiter. „Wenn alles weiter nach Plan läuft, können wir im nächsten Sommer die Räume beziehen.“

 

Mit einem Kasten Bier sorgte das Gemeindeoberhaupt dafür, dass die Traditionsveranstaltung trotz der Einschränkungen nicht ganz "trocken" verlaufen musste.

 

Die Langfinger aus dem Waginger Rathaus hatten schon früher zugegriffen und ihr entführtes Firstteil eine Woche zuvor wiedergebracht. Obwohl es ansonsten eine eher gute und verlässliche Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft gibt, rückten die beiden anderen Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Waging am See, Matthias Baderhuber (Waging) und Stefanie Lang (Taching) den Holzbalken erst heraus, nachdem Fenninger auch die von ihnen geforderte „Auslösesumme“ gezahlt hatte.

 

Anneliese Caruso

 

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Gelesen 68 mal Letzte Änderung am Dienstag, 20 Juli 2021 11:52