Montag, 05 Oktober 2020 18:27

Die Kapelle bei Greinachtal - Legende einer wundersamen Heilung

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Auf einer der Bänke vor der Kapelle sitzend, kann man das hübsche kleine Bauwerk mit all seinen Verzierungen und Inschriften in aller Ruhe auf sich wirken lassen.|Verwitterte Totenbretter an der Rückseite der Kapelle erinnern zumeist an Bauerssöhne aus der Umgebung, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind.|||| Auf einer der Bänke vor der Kapelle sitzend, kann man das hübsche kleine Bauwerk mit all seinen Verzierungen und Inschriften in aller Ruhe auf sich wirken lassen.|Verwitterte Totenbretter an der Rückseite der Kapelle erinnern zumeist an Bauerssöhne aus der Umgebung, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind.|||| Foto: Eder|Foto: Eder||||

Die Kapelle bei Greinachtal hat eine lange Geschichte – Nach Brand wieder aufgebaut

Wonneberg. Zu der Kapelle bei Greinachtal, die, hinter einem kleinen Wald versteckt, gar nicht so leicht zu finden ist, schildert die Überlieferung eine wundersame Heilung. Eine Tafel an der seitlichen Kapellenwand erzählt diese Geschichte von "anno 1883", die eine Familie erlebt haben will.

 

Da ist wie folgt zu lesen: "Hier in dieser Gegend verirrten sich zwei Eheleute, welche ein Kind, das am Fuß Beinbruch litt, zu einem Beinarzt tragen wollten. Da das Kind immer mehr schrie, wussten sich dieselben nicht mehr zu raten, noch zu helfen. Unterdessen kamen sie zu einer kleinen Kapelle und sahen das Bild der heiligen Mutter Gottes. Voll des innigsten Vertrauens gingen dieselben hinzu, knieten nieder und flehten laut zur seligsten Jungfrau um Rat und Hilfe. Hierauf gingen sie eine kleine Strecke weiter, und nun erkannten sie an dem Kinde, dass es ganz schmerz- und spurlos geheilt war! Voll Verwunderung kehrten dieselben wieder zu dieser Mutter-Gottes-Kapelle zurück, knieten nieder und bekannten laut, dass Maria, die allerseligste Jungfrau und Mutter Gottes, die Helferin der Christen, sei!" Unterzeichnet ist diese Erzählung von den Bauerseheleuten Georg und Maria Blank aus einem Dorf, dessen Namen nicht mehr zu entziffern ist. Und auch mit dem Zusatz "bei Oberang" kann niemand etwas anfangen.

 

Rosi Schuhmann, die in der Nachbarschaft wohnt, kümmert sich um die Kapelle, putzt und schmückt sie immer wieder. Wie sie erzählt, muss sie immer wieder Besuchern, die sich auf den Kapellen-Rundweg gemacht haben, den Weg zu der Kapelle zeigen, der auf einem kleinen Steg über ein gemütlich dahinplätscherndes Bacherl führt. Und natürlich kennt sie die Entstehungsgeschichte, zumindest die jüngere. Demnach hat ihr Opa Johann Walcher die Kapelle in der jetzigen gemauerten Form um 1900 gebaut. Allerdings stand hier wohl zuvor schon eine kleine Holzkapelle. Das heutige Bauwerk bildet eine Nische ohne Eingangstür, von einem vorgezogenen Holzdach, das auf zwei dicht von Efeu bewachsenen Säulen ruht, geschützt.

 

Ein alter Kreuzweg aus kleinen quadratischen Metallplatten, die auf verkohlten Brettern aufgebracht sind, dekorieren den Mauersims oberhalb der Nische und erinnern gleichzeitig daran, dass die Kapelle um das Jahr 2000 vollkommen ausgebrannt ist. Aber die Nachbarschaft in Greinachtal hat sich, wie Rosi Schuhmann erzählt, nach dem Brand zusammengetan und die verbrannten Holzteile wieder in alter Form aufgebaut. Dadurch ist auch die ganze Altar-Dekoration neu, die von einem großen Marienbild und darunter einer Statue des heiligen Josef dominiert wird, umgeben von kleinen, reich geschmückten Heiligenbildern in schönen Rahmen. Da hier eine Josefs-Statue steht, spricht man immer wieder von einer "Josefs-Kapelle"; das aber stimmt nicht, sagt Rosi Schuhmann: Ihr zufolge sei dies eine Arme-Seelen-Kapelle.

 

Tafel erinnert an Prior eines BenediktinerklostersMarmortafeln links und rechts von der Nische erinnern an verstorbene Familienmitglieder, darunter auch der Erbauer Johann Walcher, der von 1862 bis 1942 gelebt hat. Eine weitere Tafel erinnert an einen weiteren Verwandten, der in Greinachtal aufgewachsen und dann überregional bekannt geworden ist: Pater Bernhard Walcher, Priester, Gelehrter und schließlich Prior des altehrwürdigen Benediktinerklosters Scheyern. In St. Leonhard erinnert die Pater-Bernhard-Straße an den 1970 verstorbenen Benediktinermönch, der seine Sommerurlaube gerne in seiner alten Heimat verbrachte.

 

An der linken Längs- und an der Rückseite sind alte Totenbretter angebracht. Die waren einst, wie es noch in verschiedenen Orten in der Gegend zu sehen ist, an einem separaten Gestell angebracht, wurden dann aber, da dieses total vermodert war, an den Außenwänden der Kapelle angebracht. Die auf der Rückseite sind vor allem gefallenen Bauerssöhnen aus der Umgebung gewidmet.he

 

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