Das Allerheiligste in unserer Kirche (3)

(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 34)

 

In der letzten Beilage haben wir erfahren, dass seit 1850 das Allerheiligste im Ciborium aufbewahrt wird. Beim Gottesdienst durfte es jedoch nicht ausgesetzt werden. Die Wonneberger wandten sich an den Pfarrer mit der Bitte, die Genehmigung zum Aussetzen des Allerheiligsten in einer Monstranz zu erwirken.

 

Der Pfarrer schrieb nach München: (19. März 1861)

 

"Euere Exzellenz, hochwürdigster Herr Erzbischof, gnädigster Herr! Unterm 15.Dezember 1845 hat die Kirchengemeinde St. Leonhard am Wonneberg auf ihre untertänigste Bitte unter Begutachtung des Pfarramtes Waging die gnädigste oberhirtliche Genehmigung erhalten, daß in der Filialkirche St. Leonhard das Allerheiligste im Ciborium eingesetzt werden dürfe, um von dieser Kirche aus die Kranken in dortiger Gemeinde versehen zu können, was auch seither häufig geschieht, weil der Cooperator von Waging wöchentlich zweimal in der Kirche zu St. Leonhard hl. Gottesdienst und an vielen Sonntagen im Jahre nachmittags den Rosenkranz abzuhalten hat.           .

 

Die frommgläubige Kirchengemeinde St. Leonhard weiß dieses Glück, das Allerheiligste in ihrem Filial-Gotteshause zu haben, zu schätzen und besucht mit frommen Eifer das allerheiligste Sakrament, namentlich an Sonntagen nachmittags, da viele über eine Stunde weit in die Pfarrkirche nach Waging haben, die sie zwar vormittags beim heiligen Pfarrgottesdienst sehr fleißig besuchen, aber der weiten Entfernung wegen besonders zur Winterszeit zum zweiten Male auch am Nachmittag die Pfarrkirche zu besuchen vielen von ihnen unmöglich wird.

 

Ihren guten christlichen Sinn und frommen Eifer gab genannte Kirchengemeinde kürzlich dadurch abermals kund, daß sie durch freiwillige Beiträge, obwohl die Kirche St. Leonhard ein rentierendes Vermögen von 53.000 Gulden besitzt, eine gotische Monstranz von Kupfer in Feuer vergoldet zu 130 Gulden ankaufte in der freudigen Erwartung, daß Eure Erzbischöfliche Exzellenz! sicher dieser Gemeinde auch gnädigst gewähren werde, daß an nachfolgenden Festtagen, an welchen in der Filialkirche St. Leonhard festliche Gottesdienste von jeher bei außerordentlich großem Zusammenfluß von Gläubigen aus weiter Umgebung feierlich abgehalten werden, das Allerheiligste in der Monstranz zur Vermehrung der Andacht und Anbetung des Allerheiligsten ausgesetzt werden dürfe, als

  1. am Ostermontag,
  2. am Fest des hl. Johannes des Täufers,
  3. am Kirchweihfeste,
  4. am Patrocinium Sancti Leonardi.

 

Der fromme Sinn und die gute Absicht der Kirchengemeinde dürfte gnädigste Berücksichtigung verdienen; deshalb wird in ihrem Namen die untertänigste Bitte gestellt: Eure Exzellenz wollen gnädigst geruhen, daß in der Filialkirche zu St. Leonhard an vorstehend genannten vier Festagen das Allerheiligste in der Monstranz zur Anbetung ausgesetzt werden dürfe. Weitere Ansprüche auf Gottesdienstvermehrung macht die Gemeinde nicht. Auch hat die Filialkirche deshalb keine weiteren Kosten. In der Hoffnung, daß diese untertänigste Bitte aus der besten Absicht zur Ehre Gottes und Vermehrung der Andacht zum Allerheiligsten gnädigst Erhörung finden werde, erlaubt sich das treugehorsamste Pfarramt, die zur angekauften Monstranz gehörige Lunula (d.i. die halbmondförmige Halterung, in der die Hostie befestigt ist) im Falle einer gnädigsten Bitteserhörung zur benedictio (Weihe) mitfolgen zu lassen. Sollte die angekaufte gotische Monstranz, die dem gotischen Kirchenbaustile der Kirche St. Leonhard ganz anpassend ist, zur gnädigsten Einsicht gewünscht werden, so wird dem gnädigsten Wunsch sogleich entsprochen werden.

Euerer Erzbischöflichen Exzellenz untertänigstes katholisches Pfarramt.“

 

Am 26.März kam aus München die Mitteilung (1861): "Vorstehende Lunula zur Filialkirche St. Leonhard gehörig wurde unterm Heutigen benediziert und kann somit ihrer Bestimmung übergeben werden. Zur Bestätigung: Dr. Kagens, Erzbisch. Sekretär."

 

(„Herzlichen Dank unserm Herrn Wimmer L., meinen Studienkollegen, für seine wertvollen geschichtl. Beiträge, die sich großer Beliebtheit erfreuen: Kurat Hartinger“)

 

 

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