Freitag, 12 Mai 2017 20:16

Ökomodellregion hat sich ein Tourismuskonzept erarbeitet

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Freude über ein gelungenes Werk bei, von links, Bürgermeister Herbert Häusl, Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Ökomodellregion-Managerin Marlene Berger-Stöckl und Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber: Nun hat die Ökomodellregion ein eigenes Tourismuskonzept. Foto: Eder||| Freude über ein gelungenes Werk bei, von links, Bürgermeister Herbert Häusl, Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Ökomodellregion-Managerin Marlene Berger-Stöckl und Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber: Nun hat die Ökomodellregion ein eigenes Tourismuskonzept. Foto: Eder||| Hans Eder|||

18 von 53 Projekten kamen in engere Wahl – Grundlage für eine Bewerbung um Naturtourismus-Region

Waging am See. Anstrengende Wochen liegen hinter den Verantwortlichen der Waginger Tourist-Info und der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. In weniger als drei Monaten haben sie zusammen mit touristischen Fachleuten aus den zwei Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sowie interessierten Bürgern unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider ein Tourismuskonzept erstellt. Nachdem dieses Konzept bei verschiedenen Treffen und Workshops ausgearbeitet und bei einer Veranstaltung in Otting präsentiert worden war, wurden Elemente daraus zu einer Bewerbung verwoben, mit dem die Region an einem Wettbewerb des Bayerischen Umweltministeriums teilnimmt. Als Pilotprojekt sollen dabei über den Wettbewerb drei Gemeinden ausgewählt werden, die sich zu einer Naturtourismus-Region entwickeln sollen und die dafür jeweils eine Förderung von bis zu 70000 Euro erhalten.

 

Gerade noch rechtzeitig vor dem Abgabetermin 30. April ist die umfangreiche Bewerbung fertig und abgeschickt worden. Jetzt durfte Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber ihren verdienten Urlaub antreten; denn nun ist Abwarten angesagt. Die Gewinner des Wettbewerbs werden erst am 5. Juli bekanntgegeben. Das Konzept war mit prognostizierten Kosten von 28000 Euro verbunden. die Leader-Region Traun-Alz-Salzach hatte dafür eine Förderung von 12000 Euro zugesagt.

 

Für diese Bewerbung konnten die Macher aus einem umfangreichen Pool schöpfen. In den Workshops zum Tourismuskonzept waren viele Ideen entstanden und eingebracht worden. So war die Auswahl der Vorschläge, die letztlich priorisiert wurden und Eingang ins Konzept fanden, nicht ganz einfach. Mit einem Punktesystem wurden letztlich 18 Punkte herausgegriffen. An diesen soll, wie Prof. Pröbstl-Haider sagte, weitergearbeitet und sie sollen „mit Fleisch gefüllt werden“. In der Versammlung beim „Oberwirt“ in Otting stellte sie diese Punkte vor.

 

In den Bereichen Tourismus, Landwirtschaft und Gastronomie wurden fünf Vorschläge nahezu gleichwertig genannt. Das waren die Projekte „Vögel –  Vielfalt in der Feldflur“ mit Wettbewerb, Kartierung, Infotafel und eventuell sogar Beobachtungsplattform, Naturerlebniswege für Familien am Seeufer und Dobelbach,  ein Radtourenvorschlag „Bierweg –  vom Getreide bis zur Verkostung“, die Weiterführung des Streuobstprojekts mit weiteren Pflanzungen und begleitenden Veranstaltungen, sowie die Herausgabe einer Broschüre „Gesichter der Ökomodellregion“, in der Bioerzeuger des Einzugsgebiets vorgestellt werden sollen.

 

Im Bereich Bildung, Erlebnis und Lernen wurden drei Vorschläge ausgesucht.  Die meisten Stimmen erhielt der Vorschlag, zertifizierte Kulturlandschaftsführer auszubilden. Weitere Projekte betrafen eine Plattform zur Vernetzung  von Umweltbildungsangeboten, einen Lehrpfad an der Grenze zu Österrreich als Wander- oder Radweg und ein Bildungsangebot zum Thema „Landschaftsgeschichte erleben“. 

 

Zum Themenkomplex Produktentwicklung entfielen die meisten Stimmen auf Landschaftswandern, Erlebnisarchitektur, Jugendspiele zur Ökomodellregion, Einkaufen in der Ökomodellregion eventuell über eine Online-Plattform und das Thema „Wilde Küche“. Unter Landschaftswandern ging es nicht zuletzt um den Ausbau  eines Langstrecken-Wanderkonzepts.  Erlebnisarchitektur will den Bau von besonderen Übernachtungsmöglichkeiten etwa in Bäumen oder Fässern anregen. Die Jugendspiele sollten die Jugend an die Inhalte und Schwerpunkte der Ökomodellregion heranführen. Bei der „wilden Küche“ stand das Finden und Kochen mit Wildkräutern im Vordergrund.

 

Bei Gewerbe und Handel ging es vorrangig um die Förderung von Bio in der Gastronomie, gefolgt vom Thema „Kreative Speisekarte“, in der nicht nur Speisen aufgelistet sein sollen, die vielmehr auch Informationen zu den Produkten, ihrer Herstellung und der Region aufweist. Weitere Projekte in dem Sektor waren „Partnerschaft zwischen Landwirtschaft und Tourismusbetrieben“ und das „Ferienwohnungskörberl“. Letzteres sollte den Gästen zu Beginn ihres Urlaubs angeboten werden, zusammen mit einer Karte der jeweiligen Produzenten.

 

Anlass und Ziel des Konzepts war zwar ursprünglich keineswegs die Teilnahme an dem Wettbewerb, aber man erhoffte sich davon zusätzliche Motivation, die in der intensiven Erstellungsphase jetzt auch tatsächlich freigesetzt wurde. So hob der Waginger Bürgermeister Herbert Häusl heraus, die Workshops seien „hochkarätig besetzt und hervorragend besucht“ gewesen. In der Ökomodellregion gehe es darum, mit der natürlichen Landschaft und regional beziehungsweise biologisch erzeugten Nahrungsmitteln zu punkten – nicht so wie in manch anderen Tourismusgebieten, wo oft genug gegen die Natur gearbeitet werde. Das Konzept sei wirklich „erarbeitet, nicht übergestülpt worden“, über 120 Personen hätten dabei mitgemacht, mehr als erwartet.

 

Auch Prof. Pröbstl-Haider meinte, sie sei sehr überrascht gewesen über die Fülle an Vorschlägen – genau 53 an der Zahl. Aus diesen seien nach einer Sichtung durch die Teilnehmer 18 in die Endausscheidung gekommen.

 

Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber nannte das 123 Seiten umfassende Tourismuskonzept „ein tolles Ergebnis in kurzer Zeit“. Viele tolle Ideen seien dabei entwickelt worden, „eine enorme Summe, die uns noch lang begleiten wird“. Damit sei ein praxisorientierter Leitfaden mit vielen Ansätzen entstanden, der dem Gast die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel erkennbar und erlebbar machen solle: „Jetzt freuen wir uns auf die Umsetzung.“ Dazu meinte die Managerin der Ökomodellregion, Marlene Berger-Stöckl, der genaue Weg der Umsetzung sei noch nicht klar; aber sicherlich würden die Vorschläge nicht in irgendwelchen Schubläden verschwinden. Bürgermeister Häusl schlug vor, dass man sich nochmals treffen und dabei beraten solle, welche Vorschläge man vorrangig angehen wolle.

 

Hans Eder (Südostbayerische vom 02.05.2017)

 

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