Freitag, 23 Dezember 2016 09:45

Bio-Lebensmittel aus der Region für die Region

Michael Wahlich: Spezialitäten aus Laufener Landweizen||| Michael Wahlich: Spezialitäten aus Laufener Landweizen||| Norbert Höhn|||

Verarbeiter aus der Öko-Modellregion stellen sich vor - Preis für Rohstoffe muss bäuerliche Existenz sichern

Saaldorf-Surheim. Seit zwei Jahren gibt es die Öko-Modellregion (ÖMR) Waginger See-Rupertiwinkel mit nunmehr zehn Mitgliedsgemeinden. Ein wichtiges Ziel der Projektarbeit ist die Erzeugung und Vermarktung regionaler Bio-Produkte. „Wir sind bestrebt, ein enges Netzwerk zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Verbrauchern zu schaffen“, erklärte Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl bei einem Treffen von Vorstandschaft und geladenen Gästen in Gausburg (wir berichteten). Wie eine solche Vernetzung funktionieren kann, erfuhren die Besucher anhand verschiedener Beispiele.

 

„Der Bauer muss für seine regional erzeugten Bio-Produkte einen Preis bekommen, der ihm seine Existenz sichert“, nannte Stöckl-Berger eine Grundbedingung der Vermarktungsstrategie. „Es ist erfreulich und etwas Außergewöhnliches, dass innerhalb der ÖMR Verarbeiter bereit sind, einen sehr guten Rohstoff zu einem höheren Preis einzukaufen.“  Einer dieser Verarbeiter ist die Schlossbrauerei Stein, die neben der konventionellen Schiene auch Bio-Zwicklbier im Sortiment hat. Wie Braumeister Markus Milkreiter erläuterte, war die Umstellung nicht ganz einfach. Zwischenzeitlich wird die Brauerei von zwölf Landwirten aus der Region mit Bio-Braugerste beliefert. „Die ÖMR war für uns ein Glücksfall, weil sie einen Sammelpool von Erzeugern darstellt, auf den wir zurückgreifen können.“ Auch ein Lagerhaus habe man mit Unterstützung der ÖMR gefunden und biozertifizieren lassen, sodass die Braugerste, derzeit 150 Tonnen pro Jahr, dort eingelagert werden kann. „Obwohl wir am Anfang Bedenken hatten und 2016 von den Wetterbedingungen her nicht optimal war, bin ich sehr zufrieden und optimistisch, dass wir Qualität und Menge weiter steigern können“, fasste Markus Milkreiter zusammen.  Den Schulterschluss mit Landwirten aus der Region hat auch die Mühldorfer Firma Barnhouse gesucht, die sich auf Knuspermüsli („Krunchy“) spezialisiert hat. Dabei greift sie auf Biohafer und Biodinkel aus der ÖMR zurück. Bereits 1979 hat Sina Nagl zusammen mit ihrem aus England stammenden Partner Neil Reen die Firma gegründet, die inzwischen 90 Mitarbeiter beschäftigt und ausschließlich biologisch produziert. Wie Sina Nagl berichtete, verarbeitet ihr Betrieb derzeit je 500 Tonnen Biodinkel und Biohafer jährlich, wobei die Tendenz ansteigend ist. „Die ÖMR ist für uns super, weil sie hilft, Kontakte zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Verbrauchern aufzubauen und zu pflegen“, lobte Sina Nagl. Ein Markenprodukt der ebenfalls in Mühldorf ansässigen Firma Byodo ist der Byodo-Gelbsenf. „Fünf Landwirte aus der ÖMR liefern derzeit für uns 1,3 Tonnen Senfsaat, wobei wir für unsere 25 Senfsorten bis zu zehn Tonnen gebrauchen könnten“, berichtete Josef Stellner, Prokurist bei Byodo. Die Mischkultur von Gelbsenf, Bohnen und Buchweizen trage zudem erheblich zur Bodenverbesserung bei. „Für mich ist das Projekt so interessant, weil ich den gesamten Kreislauf vom Bauern über den Verarbeiter bis zur Vermarktung darstellen kann“, fasste Stellner zusammen. Eine alte Getreidesorte, die wiederentdeckt wurde, ist der Laufener Landweizen. Verarbeitet wird er unter anderem von den Bäckereien Wahlich in Surheim und Neumeier in Teisendorf. „Uns ist es ein Anliegen, dass wir den Laufener Landweizen verarbeiten, weil es ein spezifisches regionales Produkt ist, das wir unter die Leute bringen wollen“, sagte Michael Wahlich. Seine Nussschnecken und weitere Spezialitäten gelten als Geheimtipp unter Bio-Feinschmeckern. Dass der Vermarktungserfolg von Bio-Produkten auch sehr eng mit einem Markennamen verbunden ist, zeigte Andreas Neumeier auf, der Produkte aus Laufener Landweizen als „Baguette anno 1600“ und „Landseelen“ anbietet. „Der Trend geht Richtung Bio, Regionalität und bodenständigem Handwerk“, zeigte sich Neumeier überzeugt. Bereits einen Markennamen geschaffen hat Projektmitarbeiterin Jessica Linner mit ihrem „Bioflaschlbrot“ aus Laufener Landweizen. In Flaschen werden unterschiedliche Backmischungen angeboten, die zu Bio-Brot weiterverarbeitet werden können. „Das Produkt soll nicht nur gut schmecken, sondern auch gut aussehen, damit man es als Geschenk verwenden kann“, erklärte Linner. Zwischenzeitlich hat sie ihr Sortiment erweitert und bietet beispielweise „Boarische Hanfweckerl“ an, bei denen Schälhanf von einem Nussdorfer Bauern die Grundsubstanz bildet. Einen festen Platz in der ÖMR-Vermarktungsschiene haben selbstredend die verschiedenen Käseprodukte. Vorgestellt und verkostet wurden Käsesorten vom Paulbauernhof, Bio-Ziegenkäse von Monika Obermaier aus Fridolfing, Bio-Weichkäse von Maria Frisch aus Wonneberg, Bio-Schnittkäse von der mobilen Käserei Stephan Scholz aus Sondermoning. Derzeit arbeiten acht landwirtschaftliche Käsehersteller mit der ÖMR zusammen, mit Felix Hagenauer und Ludwig Streitwieser zwei davon aus Saaldorf-Surheim.

 

Nach so viel Theorie freuten sich die Besucher auf die „Praxis“, nämlich auf das Verkosten der vorgestellten Produkte. Wenn die verantwortlichen Bürgermeister zurecht fordern, dem Beitritt müssen auch Taten folgen, dann hat diese Veranstaltung bewiesen, dass es schon recht bunt und lebendig zugeht in der Ökomodellregion.

Norbert Höhn

 

Arbeitslose Journalisten
Eine nichtalltägliche Einladung ging an die Pressemitarbeiter der Region: Einfach kommen, um sich gegenseitig kennenzulernen und in entspannter Atmosphäre miteinander zu ratschen. Klar, dass auch am Buffet genascht werden durfte. Eine Idee übrigens, die vom Waginger Journalisten Hans Eder stammt und von der ÖMR gerne aufgegriffen wurde. Ungewohnt, aber durchaus angenehm für die Zeitungschreiber: Stift und Fotoapparat durften diesmal in der Tasche bleiben. Man war „nur“ Gast. Im hektischen Zeitungsbetrieb sicher eine wohltuende Ausnahme. So sieht es auch der örtliche Berichterstatter, obwohl es für ihn ein „Arbeitsessen“ war.
Norbert Höhn

 

(Artikel erschienen am 22.12.2016 in der Südostbayerischen Rundschau)

 

Gelesen 290 mal